Anime und Manga in Japan

| 26. Januar 2012 | 0 Kommentare

In einem Kommentar habe ich eine Frage zu Anime und Manga in Japan gestellt bekommen und zwar inwiefern das hier in Japan vertreten ist und ob ich selber Mangas lese.
Erst einmal, Ja – ich lese auch Mangas bzw. habe als ich jünger war viele gelesen und auch viele Animes geschaut. Auf meine Lieblinge wollte ich in naher Zukunft noch näher eingehen.
Nun aber erst mal zu der Welt von Manga und Anime hier in Japan. Da man über dieses Thema sicherlich einen Roman verfassen könnte, schildere ich euch einfach meine Eindrücke und Erfahrungen dazu.
Alltag mit Anime und Manga?
Im japanischen ‚every day life‘ ist der Manga eigentlich weniger stark bemerkbar. Man mag es kaum glauben aber auch hier läuft ein ganz normales Leben ab. Menschen gehen zur Arbeit und zur Schule, eigentlich bleibt da nicht allzu viel Zeit für Manga und Anime. Es ist nicht so, dass hier jetzt Leute verkleidet über die Straße laufen oder nur Mangas lesen. Viel öfter als Mangas sehe ich die Leute hier Bücher lesen, in der U-Bahn zum Beispiel. Trotzdem gehören Anime und Manga zur japanischen Kultur dazu, das kann man definitiv so sagen. Animefiguren werden gerne für Werbung genutzt, das heißt man sieht sie viel auf Plakatwänden, auf Produkten (wie zum Beispiel den Lady Oscar Chips)und manchmal auch im Fernsehen. Es ist aber nicht so, dass alles von Manga regiert wird. Hauptsächlich sind doch immer noch echte Menschen die Hauptwerbeträger. Auf den meisten Plakaten und in Werbung sind also echte Menschen abgebildet.
Auch nicht jeder Japaner interessiert sich brennend für Anime und Manga. Es gehört zu dem Leben hier dazu und ist sehr präsent und für auch eher für Kinder interessant, denke ich. Bei uns haben auch damals alle Kinder Pokemon geschaut und nicht alle von denen sind heute Anime Fans. Ich denke, dass das hier ähnlich ist, nur dass der Anime an sich eine viel größere Rolle spielt.
Wenn man sich nämlich dafür interessiert (Anime Fans aufgepasst!) eröffnet sich einem eine riesige Welt voller Manga und Anime! Ich war mal mit Freunden in einem Geschäft, in dem man DVDs und Manga ausleihen konnte und ich war von der Auswahl geradezu überwältigt. Es gibt so unglaublich viele Animes, dass es einfach unmöglich war den Überblick zu behalten. Ich habe es gerade mal geschafft wieder zu erkennen, was ich kannte. Es gibt hier einfach alle Serien, die man kennt und noch viel mehr. Die Themen und Designs sind unbegrenzt, es ist einfach für Jeden etwas dabei. Alles, aus jeder Zeit ist vertreten und wenn man nach etwas bestimmten sucht, findet man das auch garantiert!
Ist aber auch eigentlich logisch oder? Ich meine, der Manga kommt aus Japan. Natürlich ist das hier stärker vertreten, als in anderen Ländern. Es gibt hier auch Manga Magazine, in denen monatlich (oder auch wöchentlich) der neuste Teil einer Mangaserie erscheint. Ein bekanntes ist sicherlich das ‚Ribon Magazine‘, das zum Beispiel die Mangas von Arina Tanemura veröffentlicht.
Aber woher kommt das alles? Ich habe für euch mal ein wenig recherchiert, um ein bisschen auf die Geschichte und Hintergründe des Manga einzugehen.
Geschichte des Manga
Die Geschichte des Manga liegt sehr weit zurück und ist erst einmal in zwei Abschnitte einzuteilen. Vor dem zweiten Weltkrieg und nach dem zweiten Weltkrieg.
Die Geschichte des Manga reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert, denn schon damals wurden Bilder erstellt, die eine Geschichte erzählen sollen. Bis heute wird sich zwar darüber gestritten, ob man die Bilder von damals schon als Manga bezeichnen kann, dennoch ist klar, dass diese Bilder dafür verantwortlich sind, dass japanische Mangas und Bücher von rechts nach links gelesen werden. Eine weitere wichtige Rolle für die Entwicklung des Mangas spielten die sogenannten ‚kamishibai‘, kleine Lichttheaterstücke, die auf der Straße stattfanden und bei denen jemand eine Geschichte erzählte und Figuren gegen das Licht hielt, um die Geschichte lebendiger aussehen zu lassen.
Im 18. Jahrhundert gab es in Japan bereits ‚kibyoshi‘ eine Art Comic, der gleich dem Manga sehr satirisch ist. Trotzdem ist man sich des Ursprungs der japanischen Comics nicht ganz sicher. Manche sind auch der Meinung, dass er Manga, so wie wir ihn heute kennen durch die Besetzung Japans von US Truppen nach dem zweiten Weltkrieg inspiriert wurde.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Japan also von US Truppen besetzt, die jegliche Art von Krieg oder japanischem Militarismus verherrlichendem Material verbaten. Die Menschen lebten in einem Japan, das sich eine neue politische und wirtschaftliche Infrastruktur aufbauen musste und äußerten sich in Mangas wie Mighty Atom oder Sazae-san, in denen es nicht nur um Mut und Stärke der Helden ging, sondern auch um eine neue Art von Frieden nach dem Krieg. Sazae-san handelt von einem femininen Charakter, der ganz entgegen der japanischen ‚good wife, wise mother‘ Prinzipien eine Heldin darstellt, die nach dem Krieg heimatlos gewordenen Menschen hilft. Diese beiden Mangas erfreuten sich großer Popularität und legten einen Grundstein für alles, das darauf folgte. Neue Genres enstanden und es entwickelte sich der Manga, wie wir ihn heute kennen.
Wie ihr seht hat der Manga also eine tief greifende Bedeutung und eine lange Geschichte, was meiner Meinung nach auch gut erklärt, warum etwas, das für uns als rein spaßig und lustig gilt, hier in Japan zur Kultur gehört. Es ist sicherlich wahr, dass der Manga heute nur noch zur Unterhaltung dient
Manga Szene
Natürlich gibt es gerade hier in Japan viele Leute, die Manga als Teil ihres Lebens sehen. Diese beschäftigen sich sehr viel damit und manche sehen dies als ihren Lebensinhalt an. Ich persönlich kenne niemanden, der Manga so verherrlicht aber es soll so etwas ja geben. Manga Merchandise gibt es auch unglaublich viel in den Geschäften. Man kann sich Puppen seines Lieblingscharakters kaufen, Cosplayen und vieles mehr – da sind einem Fan eigentlich fast keine Grenzen gesetzt.
Ich habe aber, wie gesagt, noch keinen Manga hardcore Fan getroffen. Für mich existiert das hier so nebenbei, das einzige, das mir dann mal auffällt ist, wenn ich bekannte Charaktere auf einer Chipstüte entdecke.
Oft werde ich allerdings von Japanern gefragt, ob ich Anime und Manga mag. Meist reagieren sie überrascht, wenn ich sage, dass das bei uns recht populär ist. Dann wird sich so über die Serien ausgetauscht, die man kennt und es kommt auch oft vor, dass ich von einer Serie spreche, die mein japanischer Gegenüber nicht kennt. Ihr seht also, es ist nicht so, als würden sich alle ausschließlich damit beschäftigen. Ich betone das hier so oft, weil ich mir vorstellen kann, dass man sich Japan so vorstellt. Japan – achja, das Land da, mit den Zeichtrickfiguren mit den großen Augen. Ich finde es schade Japan auf so etwas zu reduzieren. Interessant finde ich hier vor allem die traditionell kulturellen Aspekte, nicht die Mangas, die lediglich als Unterhaltungsobjekt dienen.
Kurzer kritischer Einwurf
Um auch noch einmal auf den Reisebericht aus The Guardian zurück zu kommen. Der Herr schrieb dort doch tatsächlich als erstes von den Toiletten. Natürlich sind die Toiletten hier etwas Besonderes und es ist irgendwie kaum zu glauben, dass es zwei so unterschiedliche Arten von Toiletten gibt – die eine, ein Loch im Boden (wirklich nicht mehr) und die andere ein super high-tech Roboter mit tausend Knöpfen und dass diese nebeneinander existieren. Aber ist das wirklich das Erste, von dem man hier berichten muss? Für mich klingt das so, als hätte jemand beeinflusst von Klischees nach eben diesen gesucht und sie dann in seinem Artikel verarbeitet. Prinzipiell hätte man für das, was der Herr da geschrieben hat nicht einmal hierher kommen müssen, denn so steht es in jedem Reiseartikel über Japan. Verrückt, sooo verrückt, Toiletten, grüner Tee, höfliche Menschen, usw. Alles wahr, aber doch nun wirklich nichts, dass wir nicht alle schon einmal gehört haben. Nun gut, es sollen ja noch weitere Artikel folgen, ich bin gespannt und hoffe, dass diese vielleicht etwas tief greifender und interessanter werden. Ansonsten verfrachte man den Artikel doch bitte von der Kategorie ‚world news‘ zu der etwas passenderen Kategorie ‚travel‘.


Nun aber zurück zum Thema Manga. Wie ich in meinen ersten Posts berichtet habe, hat mein Interesse für Japan, wie für viele andere auch bei Manga, bzw. Anime angefangen. Als Kind habe ich wahnsinnig gerne Serien wie Mila Superstar, Lady Oscar, Kickers, Sailor Moon, usw. geschaut. Mit 13 irgendwann schaute ich den für mich bis heute am meisten bedeutenden Anime überhaupt: Jeanne die Kamikaze Diebin (jap. 神風怪盗ジャンヌ, Kamikaze Kaitō Jannu). Damit hat alles begonnen. Nach den Folgen wurde von RTL2 damals auch das ‚Buch‘ zur Serie beworben. Mein erster Manga. Ich kaufte mir also dieses komische Buch, das man falsch herum liest und fand es wunderbar. So langsam kam ich auch darauf, dass dieses Buch aus Japan kam, denn ich las mit großer Begeisterung Arina Tanemuras Randbemerkungen. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich nach Japan. Unbedingt, um alles in der Welt. Ich sammelte mehr Mangas, schaute mehr Animes und interessierte mich immer mehr für die Kultur und die Menschen. Wie ihr seht, für mich war der Beginn für das alles hier ein einfaches Comicheft, ‚Jeanne die Kamikaze Diebin Band 6‘.
Auch wenn ich irgendwann aufgehört habe Animes zu schauen und Mangas zu lesen, der Ursprung besteht für mich immer noch darin. Allerdings war ich auch damals noch ein Kind, ich bin auch irgendwie damit aufgewachsen und heute interessiert man sich eben für andere Dinge. Da habe ich mit vielen Japanern wohl etwas gemeinsam (:
Was hier übrigens bei allen beliebt ist: Filme von Studio Ghibli

Manga im wahren Leben?
Trotzdem ist hier alles nicht wie im Märchen. Viele Dinge hier erinnern aus den Sachen, die man aus Mangas kennt aber wer glaubt, dass Japan ein real gewordener Manga ist, der liegt falsch. Manche Leute kommen hierher und erwarten von Japan, dass es so ist, wie sie es sich aufgrund des Anschauens zahlreicher Animes vorgestellt haben. Klar sieht hier vieles so aus, wie im Anime (in den realistischeren jetzt), Gebäude, Natur und all so etwas. Aber Japan selber ist kein Anime. Es ist ein reales Land und die Menschen hier haben eher weniger mit aufgedrehten und verrückten Animefiguren zu tun (die meisten). Wer so etwas erwartet, wird leider enttäuscht.
Das ist aber definitiv kein Nachteil. In Amerika verhalten sich schließlich auch nicht alle, wie in einem Batman Comic. Das wäre doch auch völlig seltsam und übertrieben. Die Menschen hier sind normal, wie die Menschen bei uns zuhause auch. Jeder ist verschieden, einer etwas verrückter, als der andere.
Ein Manga oder ein Comic sind Dinge, die Geschichten erzählen, wie es sie im wahren Leben meistens (leider) eher nicht gibt. Es kann eine Flucht aus dem Alltag sein, für manche ist mehr Unterhaltung. Eine nette Abwechslung zur realen Welt, aber niemals die reale Welt.
Ich denke viel wichtiger ist hier in Japan der ‚kawaii stuff‘, der den gibt es wirklich überall und irgendwie jeder besitzt ihn. ‚kawaii‘ ist überall.

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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  1. Jugendkultur | Pearltrees | 20. Februar 2016
  1. Bettina sagt:

    Die Informationen sind echt toll und haben mir bei meinen Vortrag über Mangas in der Schule geholfen.

  2. MiniMax sagt:

    Wow, bislang hatte ich wirklich keine Ahnung über Mangas, also für mich ebenfalls ganz klar ein Artikel für die Rubrik „World News“;-)! Macht echt Spaß deinenblog zu lesen!!!

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