Back in Germany – Japan mit etwas Abstand

| 22. März 2012 | 0 Kommentare

Japan war ein sehr großer Lebensabschnitt für mich und auch ein großes Abenteuer, daher denke ich natürlich noch sehr viel an meine Zeit dort zurück und auch an die Menschen, die ich dort kennen gelernt habe. Natürlich bin ich auch noch in der Phase, in der alle mich fragen wie es denn so war und wie bestimmte Dinge in Japan so sind.

 


Dabei merke ich zum einen, dass es für viele gar nicht vorstellbar ist was mir in Japan alles begegnet ist. Natürlich kann ich viel von verrückten und von schönen Dingen erzählen, aber um das wirklich verstehen zu können muss man auch dort gewesen sein. Das habe ich mir sehr schnell bewusst gemacht und deshalb rede ich auch von alleine nicht allzu viel über Japan (hoffe ich!), denn ich möchte natürlich niemanden damit nerven. Ich kann mir vorstellen, dass es langweilig ist solchen Erfahrungsberichten ständig zuhören zu müssen, weil man einfach nicht dabei war. Somit bemühe ich mich zumindest nicht allzu viel darüber zu reden, um nicht alle zu vergraulen. Da leide ich jetzt aber nicht drunter, denn ich habe ja auch Freunde, die mit da waren und mit denen unterhalte ich mich dann natürlich über Japan. Eine Freundin in Berlin habe ich gestern und letzten Freitag wieder getroffen und das war total toll. Wir hatten so viel zu besprechen, dass es immer total schade war, dass wir nicht den ganzen Tag Zeit hatten. Es tut auf jeden Fall gut auch mal wieder darüber zu reden. Ich glaube man wird traurig, wenn man es nicht tut, denn man würde sich die ganze Zeit total unverstanden fühlen.
Japan an sich vermisse ich natürlich schon. Es ist aber eher ein glückliches Vermissen. Ich habe nicht das Gefühl einen unglaublich Fehler mit meiner Abreise gemacht zu haben, sondern bin froh, dass ich da war und eine so tolle Zeit dort hatte. Ich erinnere mich immer gern zurück und das Schreiben hier auf dem Blog und eure Emails machen es mir möglich mich nachhaltig damit zu beschäftigen. Ich denke das ist sehr hilfreich, um das Erlebte zu verarbeiten. Was für mich auf jeden Fall feststeht ist, dass ich unbedingt relativ zeitnah noch einmal nach Japan möchte! Am liebsten schon im Sommer für ein paar Wochen! Der Sommer in Japan war wirklich toll! Es ist zwar nicht jedermanns Sache, weil es so warm und schwül ist aber ich persönlich fand es wirklich toll. Gerade in Fukuoka, weil es dort so viel zu erleben gab und ich direkt am Strand gelebt habe. Außerdem waren im Sommer auch wirklich tolle Leute da, mit denen man viel Spaß haben konnte!
Mit Abstand betrachtet ist Japan einfach eine tolle Erfahrung auch wenn wir dort manche Dinge auf die Nerven gegangen sind, kann ich im Nachhinein nur positiv über meine Erlebnisse dort denken. Die ganze japanische Art und Kultur ist einfach toll und gefällt mir total gut! Es ist zwar alles etwas ungewohnt aber irgendwie auf eine gute Art und Weise!
Allerdings sehe ich manche Dinge nun auch total anders, als vorher. Japan ist nicht nur das Märchenland, von dem ich am Anfang geträumt habe. Es ist ein Land, das zwar nicht normal ist (aus unseren Augen), denn alles ist so wahnsinnig anders, als in Deutschland aber es hat auch seine ganz eigenen Schwächen und Probleme. Ich denke es ist schwierig darüber zu schreiben ohne total frustriert über das Land zu wirken. Das bin ich keinesfalls. Ich habe nur Dinge erkannt, die man nur erkennen kann, wenn man längere Zeit dort lebt. Dinge, die bei uns einfach anders sind und von denen wir als Ausländer denken, dass wir sie besser machen. Das muss nicht unbedingt so sein, in Japan wird manches einfach anders gemacht. Das muss man einfach akzeptieren, dann ist es auch nicht schwer dort zu leben.
Das ist auch etwas, das ich in Japan gelernt habe – meine Situation, so wie sie ist zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Natürlich möchte ich nun nicht einfach da sitzen und mein Leben verstreichen lassen in der Annahme, dass ja sowieso alles so kommt, wie es kommen soll, sondern ich möchte kleine Rückschläge, die möglicherweise auf einen zukommen als nicht so tragisch nehmen. Irgendwie glaube ich, dass jeder Weg zu etwas führt. Wenn etwas nicht klappt, dann klappt etwas anderes und dann sollte das auch so sein. Es bringt nicht den Dingen ewig hinterher zu rennen, man sollte einfach immer nach vorn schauen und sich auf sich selbst konzentrieren. Mich persönlich macht das sehr zufrieden.

 


Im Grunde denke ich über Japan nicht sehr viel anders, als vorher. Ich finde das Land und die Menschen immer noch wahnsinnig sympathisch und mir wurde dort mit so viel Gastfreundschaft begegnet – das war der Wahnsinn! Alle sind unglaublich zuvorkommend und nett und haben Freude daran einem alles zu zeigen und einen froh zu machen. Die Harmoniebedürftigkeit der Japaner ist zum einen sehr schön, allerdings kann man auch keine richtigen Sorgen äußern. Zumindest wird einem nicht wirklich Verständnis entgegen gebracht, sondern es wird immer gesagt: „Ach das wird schon okay sein.“ Und was ist wenn nicht? Manchmal möchte ich darüber reden, was passieren würde, wenn nicht alles so wird, wie man es sich vorstellt aber diese Möglichkeit wird einfach ignoriert. So wie alles Schlechte. Das ist ja im Prinzip keine falsche Sache aber so fehlt einem als Ausländer eben manchmal ein Ansprechpartner zum Meckern oder sich Sorgen machen. Das sind so Dinge, die bei mir einfach manchmal raus müssen. Einfach mal über das reden, was man wirklich denkt. Dafür sucht man sich dann aber eben besser andere Ausländer oder spricht über Skype mit den Freunden zuhause.
Man muss manchmal eben differenzieren über was man mit Japanern sprechen kann und wofür sie einfach nicht wirklich ein Verständnis haben, weil sie es einfach nicht gewohnt sind damit konfrontiert zu werden. Das ist im Prinzip keine große Sache, man muss es nur wissen.
Ich muss sagen mit etwas Abstand zu Japan verstehe ich das Buch „Darum nerven Japaner“ auch einfach viel besser. Bevor ich nach Japan gefahren bin hatte ich es gelesen und mein Fazit an den Autor war: „Wenn du das da doch alles so doof findest, dann geh doch wieder nach Hause!“. Ich hatte das Gefühl der man hätte in seinem Buch nichts anderes getan, als zu meckern. Das stimmt aber nicht. Er zeigt ganz raffiniert die Dinge auf, die man als Ausländer in Japan einfach als komisch und anders empfindet. Das muss man aber selber erlebt haben, sonst kann man es nicht verstehen und hat einfach nur das Gefühl, dass der Mensch, der da ein bisschen die Eigenheiten der Japaner aufdeckt, sich nur aufregt über Kleinigkeiten und scheinbar ja gar nicht glücklich ist in diesem Land. Doch, man ist glücklich aber trotzdem gibt es eben Dinge, die einem schwer verständlich sind. Lest einfach mal das Buch und versucht es nicht allzu negativ zu sehen. Ich werde es auch noch einmal lesen und eine Rezension für euch schreiben, denn ich finde es total empfehlenswert und auch wichtig für Leute, die sich für Japan interessieren.
Es ist schwierig einen Abschluss für diesen Post zu finden, denn ich könnte noch stundenlang weiter schreiben. Ich denke an dieser Stelle ist es aber genug. Japan war für mich alles in allem eine wunderbare Erfahrung, für die ich unglaublich dankbar bin! Es hat mich auf meinem Lebensweg ein enormes Stück weiter gebracht und das macht mich wahnsinnig glücklich! Ich habe dort Freunde gefunden, die ich gerne wieder sehen möchte und Fukuoka ist für mich wirklich eine tolle Stadt! Auch nach fast drei Wochen zurück in Deutschland kann ich euch nur raten, wenn ihr die Möglichkeit habt in diesem Land etwas Zeit zu verbringen, zögert nicht, sondern macht es!

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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Kommentare (0)

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  1. Hallo Julie,

    wirklich einen schönen Blog hast du hier, werde mir die Tage mal in Ruhe alle Einträge durchlesen 🙂

    Nach unserem Gespräch heute und dem Text hier ist mir jetzt noch eine Frage gekommen. Kannst DU dir denn vorstellen wirklich dauerhaft nach Japan zu ziehen und dein Leben dort zu verbringen? Wie du sagtest, wer nicht oder nur kurz dort gewesen ist, wird sich kaum vorstellen können, wie es ist, dort zu leben. Du hast in gewissen Sinne den Vorteil (den du auch in einem Studium hättest), dass du eben doch über ein halbes Jahr da warst und auch so etwas wie Schwächen gefunden und kleinere Rückschläge erlebt hast.

    Glaubst du, dich daran anpassen zu können? Von dem Text hier schließe ich mal, dass du ein kulturell sehr aufgeschlossener Mensch bist und traue es dir definitiv zu. Nur bei der Entscheidung für Japan käme eben auch doch noch einiges dazu, nicht zuletzt die Intensivierung des Sprachlernens, wie ja auch der Kanji 🙂

    Würde mich nochmal so als kleines, zusätzliches Fazit interessieren.

    Grüße,

    Florian

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