Was liebst du an Japan?

| 7. Mai 2012 | 0 Kommentare

Von vielen Leuten, die hier waren habe ich gehört, dass Japan absolutes Suchtpotenzial hat. Es ist wie mit Berlin, wer einmal dort war, der will auch unbedingt noch ein zweites Mal hin. Mit Japan geht es mir genauso. Irgendetwas hier macht mich so glücklich und innerlich zufrieden, dass ich unglaublich gerne Zeit hier verbringe. Letzte Woche habe ich von einer anderen Deutschen gehört: „Irgendwie fühlt es sich so an, als würde ich hier hin gehören.“ Das beschreibt das Gefühl, das ich auch habe ganz gut. Aber woher kommt diese magische Anziehungskraft? Ist es etwas, das wir nicht erklären können oder lässt sich doch herausfinden, was uns in dieses Land gezogen hat?
Jemand hat vor meiner Fukuoka Reise zu mir gesagt: „Ich glaube, du hast dort auch schon einmal gelebt!“. Ich habe mich natürlich gefragt wie man auf so eine Idee kommt und bekam als Antwort nur: „Das merke ich manchmal!“. Natürlich wusste ich was damit gemeint war und doch scheint es recht schwer an so eine Aussage zu glauben. Generell habe ich von allen immer wieder vor meiner Abreise gehört: „Japan, das passt perfekt zu dir!“ oder „Ach, nach Japan! Das war ja irgendwie klar!“. Auch wenn natürlich jeder wusste, dass ich ein großer Fan von Japan bin, fragt man sich doch wieso den Leuten das alles so plausibel erscheint. Immerhin kenne ich genug Leute, die Japan als Land interessant finden, trotzdem würden sie nicht unbedingt dorthin wollen.

 

 


Ich hingegen wollte das mehr als alles andere und bin im Nachhinein davon überzeugt, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war für eine so lange Zeit nach Fukuoka zu gehen! Wenn ich an die Leute denke, die ich hier getroffen habe, also Leute, die sich auch entschieden haben dieses Land zu besuchen und etwas darüber zu lernen, stelle ich fest, dass die meisten sehr neugierige Menschen waren. Ist es vielleicht die Neugier, die uns hierher treibt? Aber da stellt sich immer noch die Frage: Warum Japan? Menschen, die nach China oder Afrika gehen, sind mindestens genauso neugierig, wie wir. Nur eben neugierig auf etwas anderes.
Haben wir, die Japan als ihr Ziel ausgesucht haben, wirklich schon einmal hier gelebt und sehnten wir uns nur nach dem, was wir in unserem neuen Leben nicht mehr haben? Ist da eine Kultur so tief in uns verankert, dass wir sie sogar nach dem Tod in einem neuen Leben noch spüren können?
All das klingt doch ziemlich unwahrscheinlich.
Auch obwohl ich wieder hier in Japan bin, kann ich diese Fragen nicht wirklich beantworten. Ich weiß nur, dass es nicht fremd war zurück zu kommen. Nicht so fremd, wie Deutschland, als ich im März dort ankam. Die Straßen und Häuser in Deutschland, alles sah erst einmal anderes aus. Als ich mit dem Zug von Narita nach Tokyo rein fuhr, spürte ich eine gewisse Erleichterung. Eine Erleichterung, wie man sie kennt, wenn man nach Hause kommt.
Was genau gefällt dir denn so sehr an Japan?
Das ist eine Frage, die ich wirklich sehr häufig gestellt bekomme und ich finde sie relativ schwer zu beantworten. Natürlich gefällt mir die Kultur, ich mag die Menschen und das Essen hier, die Landschaft ist wunderschön und Japanisch zu lernen macht mir einfach Spaß. Aber genauso könnte ich von Ländern, wie Italien oder Neuseeland sprechen. Hier in Japan ist etwas Besonderes, das ich so gut wie gar nicht benennen kann. Es ist eine vertraute Fremde, die mich hier umgibt und es reizt mich einfach so sehr sie näher kennen zu lernen. An diesem Land gibt es so viel zu entdecken und zu erforschen, das finde ich so wahnsinnig interessant! Mit einer Rundreise durch Honshu, bei der man sich Tokyo, Kyoto und Hiroshima zusammen mit einer Reisegruppe anschaut, ist es einfach längst nicht getan. Um das hier wirklich kennen zu lernen, braucht man Jahre. Man muss lesen, lernen und vor allem mit Menschen in Kontakt stehen, die wirklich hier Leben. Es ist gar nicht so einfach sich hier in die wahre Gesellschaft zu integrieren, für einen Ausländer sogar fast unmöglich. Es beginnt schon bei der Sprache, denn Japanisch ist wirklich sehr schwer und es hört bei den Umgangsformen wieder auf. Man hat so viel zu lernen, dass man sich wieder wie ein zweijähriges Kind fühlt, das von irgendwem erzogen werden muss.
Es ist nicht immer nur lustig hier und es ist nicht immer einfach. Manchmal nervt es ganz schön aber dann macht es auch wieder unwahrscheinlich glücklich! Die Menschen hier, die einem mit so viel Freundlichkeit begegnen und ihre Kultur an uns weiter geben möchten, die wunderbare Landschaft, die Städte, die Kultur mit ihren Tempeln und Schreinen, all das ist die große Mühe wert, die man aufbringen muss, um Teil dieses Ganzen zu sein.

 

 

 


Wenn ich mich daran zurück erinnere, wie ich auf Japan gekommen bin, nämlich über die Mangas von Arina Tanemura, fällt mir spontan ein, was mir so daran gefallen hat. Es waren die Randtexte der Mangaka, in denen sie von der Entstehung ihrer Werke berichtete und von Events, an denen sie teilnahm. Immer wieder äußerte sie ihre Dankbarkeit für das, was ihr mit ihrem Beruf gegeben wurde und man sieht an ihren Zeichnungen, wie sehr sie das liebt, was sie tut. Das alles hat mich so beeindruckt, dass ich begann mich mehr dafür zu interessieren und es hat mich begeistert.
Ich mag die Lebensfreude, die die Menschen hier ausstrahlen, obwohl sie es nun wahrlich nicht leicht haben. Ich mag, dass die Menschen zufrieden sind, mit dem was sie haben und dass sie keine Ansprüche stellen, außer den einen an sich, immer ihr Bestes zu geben. Es geht hier immer noch viel um Ehre und um ein höfliches Miteinander. Dinge, die in Deutschland teilweise schon verloren gegangen sind. Niemals würde man hier in Japan auf der Straße angepöbelt werden, noch nie ist jemand hier zu mir unfreundlich gewesen.
Es ist eine Gradwanderung zwischen angenehmen Umgangsformen und einer gewissen Unehrlichkeit, die wir in Deutschland nicht kennen. Wenn uns etwas nicht passt, sagen wir es. Das würde hier niemandem in den Sinn kommen. Es ist schwierig abzuwägen inwiefern diese kleinen Unehrlichkeiten den Japaner das Leben aller vereinfachen, indem die Harmonie gewahrt wird und inwiefern wir das als Ausländer aushalten können. Nach sieben Monaten in Fukuoka wollte ich einfach mal wieder meckern. Wieder zurück in Deutschland ging mir das ständige Gemecker aller Leute über irgendetwas auf die Nerven.
Meine Zukunft und Japan
Eine Sache ist mir in und nach meiner Zeit in Fukuoka jedoch klar geworden, ich möchte, dass Japan ein Teil meines Lebens bleibt und ich möchte nach dem Studium definitiv hierher zurück kehren, um noch ein bisschen Zeit hier zu verbringen. Während meines Studiums möchte ich weiter Japanisch lernen, um irgendwann wirklich gut in der Sprache zu sein (es dauert Jahre, die Leute, die gut sprechen können, haben meist Japanisch studiert oder lernen schon lange) und vielleicht sogar hier arbeiten zu können. Ich möchte nicht für immer hier bleiben, so wie manch anderer, aber ich möchte immer wieder für eine Weile zurückkommen, in mein anderes Zuhause.
Und was ist mit euch?
Was liebt ihr an Japan? Was interessiert euch so sehr an diesem Land? Wie lange wollt ihr gerne in Japan bleiben und könntet ihr euch sogar vorstellen für immer hier zu leben?
Da ich all diese Fragen selber nicht leicht zu beantworten finde, würde ich mich freuen, wenn ihr es tut! Schreibt mir einen Kommentar unter diesen Post oder schreibt mir eine e-mail und sagt mir, was euch besonders an Japan fasziniert! Zusammen können wir ein bisschen sammeln und vielleicht gelingt es uns das Mysterium um Japan ein wenig aufzudecken!
Vielen Dank schon einmal!
Julie

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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  1. Michelle sagt:

    Hi, ich habe deinen Blog zwar erst heute entdeckt, aber hätte ihm am liebsten gleich durchgelesen, leider ist es nun schon halb zwei nachts und ich muss so langsam mal schlafen gehen :/

    Auch ich war in Japan für 10 Monate für ein Highschool Jahr im Jahre 2009/2012 und letztes Jahr im Sommer nochmal für 4 Wochen.

    Zudem hat mich meine japanische Gastmutter hier in Deutschland an Ostern besucht und meien ganze Familie hat sie einfach geliebt 😀

    Ich fühle mich verbunden mit dem was du schreibst, man findet andere Länder auch schön und ich habe schon mehrere gesehen, aber für mich ist es einfach: Einmal Japan, immer Japan.

    Es ist ein völliger Kontrast zu meinem Leben hier in Deutschland und es macht mich wahnsinnig glücklich dort ein zu Hause und eine Familie gefunden zu haben, zu der ich immer kann.

    An meiner Highschool habe ich am Ende eine Abschiedsrede gehalten und ich erinnere mich, dass ich anfangs immer nach Japan wollte weil ich mich für Anime, aber auch für Kultur und Land interessierte.

    Nach dem Auslandsjahr waren es meine vielen Freunde, die ich dort bekommen hatte, der Grund warum ich Japan hier in Deutshcland so vermisste.

    17 jährige japanische Schüler haben noch so eine kindliche Art und sind viel fröhlicher, als die hier in Deutschland, die viel zu schnell auf erwachsen machen.

    Als ich ein zweites Mal da war, war ich von meinem Heimweh zu Ferne etws geheilt, hier habe ich gemerkt, wie sehr ich aber auch wieder Japan genieße, mein zweite zu Hause, meine zweite Sprache, meine zweite Familie und meine zweite Kultur.

    Ich wollte seit der Grundschule nach Japan und so wird es deshalb immer Japan sein.

    Ich habe allerdings in Osaka gelebt, ( nicht direkt in der Stadt, aber der Präfektur), deshalb bleibt Osaka für mich Nummer eins.
    Ich mag den Dialekt, außerdem war ich am Anfang meines Austauschjahres auch einmal in Tokyo und nochmal zum Ende hin und mir sind die vielen Unterschiede zu dieser Stadt aufgefallen, da habe ich schon wieder Osaka vermisst.
    Es wie in Deutschland, ich bin Hamburgerin und mag Berlin nicht sonderlich, genauso verhält es sich mit Osaka und Tokyo, wobei ich nicht sagen kann, dass ich Tokyo nicht mag, es fühlte sich bloss alles so fremd, so riesig an als ich da war, Osaka fühlt sich eher heimisch an.

    Japan ist einfach toll, die Menschen, die tatsächlich immer freundlich zu mir waren, von lustigen Nanpa Typen bis hin zu alten Opis die mit mir über ihre Wirtschaft plaudern wollte oder mir einfach in einer Bahn eine Postkarte geschenkt haben, aber auch meine vielen lieben Freunde.

    Und ich kann zumindest was Osaka angeht Klischees entgegenwirken ( auch ich habe „Darum nerven die Japaner “ gelesen.
    In Osaka kann man auf der Straße, sowie in der Bahn essen. Ein Klassenkamerad hatte eine fette Taschentücherpackung auf seinem Tisch stehen und hat dauernd geschnupft und eine Austauschülerin aus Tokyo der ich Osaka gezeigt hat,, meinte dass die Leute hier „unfreundlicher“ seien, was ich zwar nicht finde.

    Zudem fällt man als Ausländer in Osaka noch mehr auf als in Tokyo, was gute sowie schlechte Seiten hat.

    Japan bedeutet für mich aber auch gleich Abenteuer, Vetrautheit, was mich sehr glücklich macht.

    Ich habe jetzt mein Abi fertig und am liebsten würde ich für ein Work und holiday year nach japan gehen.
    Ich haddere allerdings mit mir, weil man das visum nur einmal bekommt und nicht aufgrund von geldmangel zukömmen möchte.
    Was ich aber momentan as Vorteile habe, sind meine japanischen Sprachkentnisse und Connections.

    So habe ich meine japanischen Freunde, Lehrer oder auch meine Gastfamilie, die mir sicherlich helfen würden.
    Meine Gastmutter ist allerdings schon 60 und würde ich jetzt erst studierenb ( auch was mit Japanologie), dann würde sie noch älter werden und es wird ihr vlt. zu anstrenged, ggbf. ich könnte z.B noch einmal bei ihr wohnen und Kosten zahlen.

    So könnte ich durch das Jahr meine Japanischketnisse vertiefen ( gutes Konservationslevel) und ich müsse es evtl. nich mehr studieren und könnte andere Fächer nehmen.

    Oder ich studeiere erst mach ein Auslandsemester und gehe hinterher nochmal nach Japan un jetzt nochmal in Urlaub dorthin.

    Wie gesagt, ich muss mcih jetzt bald entscheiden.

    Japan ist wundervoll, ich könnte mri vorstellen dort zu leben, weil ich kenne welche die das auch tun.
    Natürlich würde ich dann Osaka nehmen und meine Wahlstadt Kawachinagano nehmen.

    Noch als Tipp, was du noch eine Japanreise machen möchtest, Koya-san ist sehr empfehlenswert, das ist ein Berg, Grenze Wakayama, Osaka Präfektur, wo man das alte Japans ehen kann oder sagen wir besser: Mönchskultur und einen riesengroßen wunderschönen Waldfriedhof, sehr schön ^^

    Ich gehe jetzt ins Bett und werde deinen Blog morgen weiterlesen.

    Grüße aus Hamburg 😉

  2. Dominik sagt:

    Warum Japan……
    Für mich ist es erst einmal ein Interesse an der Kultur und der Sprache und bei mir ganz klar auch Animes. Was man darin sieht und erfährt, möchte man gerne einmal selbst erleben und auch die Erfahrung dass evtl. nicht alles so ist, wie in einem Anime 😀

    Ich mag auch andere Länder und Kulturen, aber vielleicht gerade weil Japan unnahbarer als europäische Länder ist, vor allem die Entfernung, aber auch die Kultur, fühlt man sich so angezogen.

    Es gibt auch Dinge in Japan bzw. in Asien generell, die es in Europa nicht gibt und manchmal sogar kaum vorstellbar ist. Das Unbekannte ist doch immer interessant. Es gibt wirklich schöne Orte in Deutschland, warum fahren also so viele Menschen ins Ausland um Urlaub zu machen oder um Rundreisen zu unternehmen, wenn eine Reise durch Deutschland günstiger und ebenso interessant wäre? – Meine Meinung: Das Unbekannte eben.

    Ich war noch nie in Japan, daher kann ich nicht sagen, wie lange ich gerne in Japan leben sein möchte. Kann sein, dass ich nach 2 Wochen total enttäuscht nach Hause will, oder dass ich monate dort verbringen kann.
    Aber ich kann mir nicht vorstellen, dort ewig zu leben. Das könnte ich aber auch in keinem Land. Hier zu Hause kenne ich so vieles und so viele und es sind nicht nur die Menschen und Dinge, die ich hier kenne. Dinge wie Politik, Lebensunterhalt verdienen, etc. spielen doch eine wichtige Rolle und ich denke, dass Deutschland eines der Länder ist, die das schon ganz gut machen 😉 (Ehrlich, es gibt schlimmeres….)

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