Weihnachten in Japan

| 31. Dezember 2011 | 1 Kommentar

Weihnachten in Japan

Wie ich euch schon berichtet hatte, habe ich das für mich schönste und wichtigste Fest des Jahres einmal nicht in der Heimat, sondern hier in Fukuoka verbracht. Ich hatte dieses Jahr nicht nur ein „japanisches“ Weihnachten, sondern auch ein englisches, da viele meiner Freunde Briten sind. Vereint durch meine halb japanisch, halb englische Freundin Elisa feierten wir am 25. ein wunderbares dinner im englischen Stil, mit japanischen Freunden. So gab es dann neben turkey und staffing auch Reiskuchen und einen Christmas Cake. Womit wir auch schon bei der ersten japanischen Weihnachtstradition wären.

Christmas Cake

Der Christmas Cake oder Weihnachtskuchen ist hier in Japan sehr berühmt. Schon im September gab es überall Werbung und Aufrufe, man solle sofort seinen persönlichen Christmas Cake für Weihnachten bestellen. Diese Kuchen sehen wirklich zuckersüß aus. Oft sind sie weiß und obendrauf sind kleine Figuren, wie Schneemänner, Rentiere, usw. Das Innere besteht meist aus Sahne, ein bisschen luftigem Kuchenteig und noch mehr Sahnecreme. (In unserem waren auch noch Bananen und Erdbeeren drin.) Man bekommt diesen Kuchen in allen möglichen Variationen und kann ihn nahezu überall kaufen, sogar im Convini! Ich persönlich fand ihn sehr lecker und finde das eine wirklich schöne Idee. Woher diese Idee kommt, weiß ich leider nicht. Möglicherweise haben die Japaner versucht unseren Stollen oder Fruchtkuchen abzugucken und ein Creme Cake zu Weihnachten ist dabei herausgekommen. So läuft es nämlich oft in Japan. Westliche Dinge werden kopiert, sind dann aber nicht wirklich, wie bei uns. So verhält es sich auch mit dem kompletten Weihnachtsfest.

„Illuminääääschon“ (japanische Aussprache ‚illumination‘)

Ganz Fukuoka war zu Weihnachten mit Lichterketten und Figuren geschmückt. An Dekoration fehlte es der Stadt nun wirklich nicht. Wo man auch hinsah gab es bunte Lichter und es sah wirklich wunderschön aus. Die Japaner lieben schöne Dinge und geben sich bei solchen Dingen immer besonders viel Mühe. Beeindruckend war auch der Kego Park im Herzen der Stadt. Dort wurde eine Eisbahn aufgebaut (Der Boden besteht aus Acryl, da richtiges Eis zu gefährlich wäre) und rundherum befinden sich Lichter und Weihnachtsfiguren. Der ganze Park beleuchtet und sieht nachts wirklich toll aus! Auch das Eislaufen auf der Bahn macht Spaß. Es ist zwar für 5 Euro für eine halbe Stunde recht teuer aber man möchte sich die Chance auch nicht nehmen lassen. Das Acryl fühlte sich auch etwas anders an, als echtes Eis. Ich kann es kaum beschreiben und vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, weil ich solange nicht Eislaufen war, aber ich meine schon, dass es etwas anders ist. Eine typisch japanische Vorsichtsmaßnahme, die für mich als Ausländer unverständlich ist und die ich hinterfragen muss. Angeblich sei es ungefährlicher auf Acryl zu fallen, als auf Eis. Warum? Ist Acryl also weicher? Wenn mir irgendjemand etwas dazu sagen könnte, wäre ich ihm tiefst verbunden! Einfach einen Kommentar hinterlassen (: Nun aber weiter zu Weihnachten in Japan.

Wie verbringt man die Festtage?

Als erstes ist es wichtig zu wissen, dass die Japaner am 24., 25. und 26. Dezember keinen Urlaub haben. An Weihnachten wird also gearbeitet. Daher sind hier auch während der Festtage alle Geschäfte geöffnet. Perfekt, falls man noch irgendetwas braucht. Daraus ergibt sich aber auch eine Normalität, die wir an Weihnachten so nicht gewohnt sind. In Deutschland sind die Geschäfte geschlossen, kaum jemand ist in der Stadt zu sehen, da alle sich auf das Abendessen vorbereiten oder den Tag besinnlich zuhause verbringen. Ganz anders hier, die Stadt ist voll und alles tut sein Treiben, wie an jedem anderen Tag. Einen kleinen Unterschied gibt es: Es sind unglaublich viele Paare zu sehen. Das hat den Grund, dass der 24. Dezember zum dating genutzt wird. Wer einen Partner hat, verbringt den Tag mit ihm. Wahlweise geht auch der 25. Man geht zusammen Essen, läuft durch die Stadt, geht Shoppen oder macht einen Tagestrip zu einem der vielen Orte, die berühmt für ihre Weihnachtsbeleuchtung sind. Insgesamt ist alles weniger besinnlich, es kehrt keine Ruhe in den Alltag und das ist etwas, das mir besonders gefehlt hat und das mir den Anlass gibt zu sagen, dass der Gedanke von Weihnachten hier in Japan absolut verfehlt wird. Man kann noch so viele Lichter aufhängen und Weihnachtssongs abspielen, wenn die Menschen nicht mit dem Herzen dabei sind, ist es kein Weihnachten. Enttäuscht bin ich aber nicht. Eher positiv überrascht von immerhin all dem Klimbim um Weihnachten herum. Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass das hier so eine große Rolle spielt und dass es neben Lichterketten und aufgepoppten Weihnachtssongs auch Weihnachtsdekorationen in den Geschäften und als Santa oder Rudolf verkleidete Japaner auf den Straßen zu sehen. Man versucht alles erdenklich Mögliche, um sich dem westlichen Weihnachten anzupassen und hat es bis auf die geistige Überzeugung auch geschafft. Ehrlich gesagt kann man von einem Land, in dem es so gut wie keine Christen gibt aber auch nicht wirklich erwarten, dass es an Weihnachten so zusammen kommt, wie wir. Auch wenn die meisten Weihnachten nicht unbedingt als den Geburtstag von Jesus Christus feiern, so geht es uns doch um das Zusammensein mit der Familie und darum, ein paar ruhige Tage mit den Liebsten zu verbringen.

Alles in allem habe ich von Weihnachten in Japan wirklich weniger erwartet. Es wird hier immerhin an Weihnachten gedacht und die Japaner haben viel Spaß dabei. Trotzdem ist es eben nicht, wie zuhause. Aber das sollte es ja auch nicht sein, wenn man ein Auslandsjahr macht. Man lernt eine neue Kultur kennen und lernt, wie diese Kultur Weihnachten feiert. Für mich war das ein ganz besonders tolles und einzigartiges Erlebnis, das mich Weihnachten zuhause mehr zu schätzen wissen lässt. Denn einer Sache bin ich mir ganz sicher: nächstes Jahr möchte ich Weihnachten zuhause bei meiner Mama verbringen.

Neujahr

Auch wenn Weihnachten hier etwas seinen Sinn verfehlt hat, zu Neujahr wird es hier in Japan nochmal spannend! Es wird groß gefeiert und alle freuen sich darauf! Die Vorbereitungen laufen schon und die Läden sind voll von Neujahrsdekorationen und Geschenken, sowie typischem Essen. Ich werde euch in meinem nächsten Post noch genauer davon berichten!

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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Kommentare (1)

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  1. Soraya Zielesch sagt:

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