Wohnen in Japan

| 30. März 2013 | 0 Kommentare

Eines der wichtigsten Dinge, um in Japan zu leben, habe ich bisher noch gar nicht angesprochen: Wie wohnt man eigentlich im Land der aufgehenden Sonne? Von ein paar Behausungsmöglichkeiten möchte ich euch in diesem Beitrag berichten.

Ich selbst wohne ja in einem guest house. Das ist meiner Meinung nach die preiswerteste Unterkunft. Das Prinzip ist einfach: Man mietet ein Zimmer in einem Haus an. Dort lebt man mit einigen bis sehr vielen Mitbewohnern und teilt sich Küche und sanitäre Anlagen. Im Regelfall gibt es auch ein gemeinsames Wohnzimmer, also einen Aufenthaltsraum für alle, das muss aber nicht sein. Wenn hier bei uns alle Betten belegt sind, wohnen hier 30 Leute. Ein paar Straßen weiter gibt es ein guest house, das Platz für 140 Bewohner bietet. Mitschüler von mir wohnten in einem guest house mit gerade mal sechs Leuten insgesamt. Das war aber wohl – auch für japanische Verhältnisse – sehr, sehr klein.

Generell kann die Ausstattung natürlich variieren, gemeinsam ist, dass es einzelne Zimmer gibt und der Rest geteilt wird. Wir haben hier ein schönes Wohnzimmer mit Couch-/Fernsehecke, zwei großen Tischen und zwei PCs zur allgemeinen Nutzung. Daran grenzt die Küche an, die eigentlich mit allem ausgestattet ist, was man so braucht. Duschräume gibt es einen für die Jungs und einen für die Mädels, ebenso Toilettenräume. Auf den Fluren sind Waschbecken, leider nicht in den Zimmern, aber die sind auch so schon klein genug. In ihnen befinden sich ein Kleiderschrank, ein Schreibtisch, ein kleiner Kühlschrank und ein (Etagen-)Bett. Die meisten guest houses bieten nämlich die Option, ein Einzelzimmer oder ein Doppelzimmer anzumieten. Fällt die Wahl auf letzteres, wird man entweder mit „irgendwem“ in ein Zimmer gesteckt, oder man darf es prinzipiell nur zu zweit anmieten. Das ist abhängig vom Vermieter.

Vorteile:

–          preiswerte Miete (für japanische Verhältnisse)

–          leicht zugänglich für Ausländer

–          voll möbliert – man benötigt nur eine kleine „Grundausstattung“

–          super Möglichkeit, um schnell Kontakt zu Leuten vieler Nationalitäten zu kriegen

–          Auszug sehr flexibel möglich

Nachteile:

–          wenig Rückzugsmöglichkeiten, da wenig Platz

–          wer einen gewissen Anspruch an seine Unterkunft hat, ist hier wohl fehl am Platz – da die Räume von vielen Leuten genutzt werden, kann man keine übergroße Sauberkeit erwarten – ebenfalls unvermeidlich sind Gebrauchsspuren am Mobiliar etc.

Das Platzproblem verspürt man als Nichtjapaner sicher überall. In Japan gibt es verhältnismäßig wenig Fläche, die bebaut werden kann und somit bewohnbar ist. Daher wird der Platz, der da ist, bis ins letzte Bisschen ausgenutzt. Das merkt man nicht nur in Wohnhäusern, sondern zum Beispiel auch in Schulen oder Krankenhäusern. Alles ist irgendwie komprimiert und das ist erst einmal sehr fremd. Man gewöhnt sicher aber einigermaßen gut daran, denke ich.

Ähnlich dem guest house ist das share house. Was genau es da für einen Unterschied gibt, hat sich mir noch nicht erschlossen, und auch die von mir befragten Japaner hatten keine Idee. Ich vermute, das heißt einfach nur anders, vielleicht wegen unterschiedlicher Betreiber oder so, aber das Prinzip ist das gleiche.

Wer für längere Zeit an einem Ort in Japan bleiben will, mag mit dem Gedanken spielen, ein eigenes Appartement zu beziehen. Lasst euch gesagt sein: Das ist für Japaner nicht allzu einfach und erst recht nicht für Ausländer. Man benötigt in Japan nämlich eine Art „Fürsprecher“, der einem quasi Zahlungsfähigkeit garantiert, im Idealfall ist das also der Arbeitgeber. Hat man keinen, könnte dies zu Absagen führen, aber auch ein fester, gut bezahlter Job ist keine Garantie. Ein ehemaliger Mitbewohner von mir hat erst nach drei oder vier „Überprüfungen“ für verschiedene Wohnungen ein Appartement bekommen.

Vorteile:

–          ihr seid euer eigener Herr, also frei in der Gestaltung und Nutzung eurer vier Wände (viel mehr werden es wohl nicht)

–          Freunde können bei euch übernachten etc.

Nachteile:

–          teuer

–          ihr braucht eine komplette Grundausstattung: Möbel, elektronische Geräte usw.

Trivia: Mietpreise richten sich in Japan maßgeblich nach der Entfernung des Objektes zum Bahnhof – je näher, desto teurer.

Das wohl authentischste Erlebnis bietet ein sogenannter homestay. Dabei geht es darum, dass japanische Familien eines ihrer Zimmer sozusagen untervermieten. Ausländer bezahlen den Familien Geld und erhalten dafür Kost und Logie. Auf diese Weise erhält man einen optimalen Einblick in das wirkliche Leben von Japanern und kann sicher auch einiges für seine Sprachkenntnisse tun. Wie lange man bei den Familien bleiben kann, hängt nicht nur von euch, sondern auch von euren Gastgebern ab. Ich habe selbst noch keinen homestay mitgemacht, aber von Mitschülern weiß ich, dass den Familien sehr daran gelegen ist, ihren Gast in den Familienalltag zu integrieren: Ihr esst mit ihnen, wohnt mit ihnen unter einem Dach und unternehmt Ausflüge zusammen. Dabei kann man sicher auch den einen oder anderen Insidertipp erfahren. 🙂

Vorteile:

–          viele authentische Erfahrungen (Kultur, Lebensstil, Küche etc.)

–          ihr benötigt kein Mobiliar oder andere Ausstattung, wofür man ungerne Geld ausgibt 😉

–          oftmals bleibt der Kontakt zu den Gastfamilien auch nach dem homestay bestehen

Nachteile:

–          teuer (wobei sich der Preis evtl. relativiert, da ihr kein oder kaum Essen zu kaufen braucht)

–          Kommunikationsprobleme können auftreten, wenn die Gastfamilie nur Japanisch spricht und ihr noch wenig Kenntnisse habt

Wer als Tourist herkommt, wird sich für ein Hotel entscheiden. Nun, mit Hotelaufenthalten kennen sich wohl die meisten aus, daher möchte ich nur auf die japanspezifischen Merkmale eingehen: Neben Luxus-, Mittelklasse- und Business-Hotels trifft man in Japan außerdem auf Ryokan, Kapsel- und Love Hotels.

Ryokan sind Hotels im japanischen Stil, also rundum traditionell gehalten. Hier stößt man auf Tatami-Matten, Futons zum Schlafen und Yukata, die vom Hotel gestellt werden. In der Regel sind zwei (traditionell japanische) Speisen pro Tag im Zimmerpreis inbegriffen.

Kapselhotels verfügen über winzige Kabinen und wurden ursprünglich eingeführt, um Geschäftsleuten eine preiswerte Unterkunft zu bieten, wenn sie nach getaner Arbeit den letzten Zug verpasst haben (oder zu betrunken waren, diesen zu finden). Daher sind die meisten Kapselhotels auch ausschließlich den Männern vorbehalten. Übernachtet wird tatsächlich in einer kleinen „Kapsel“, gerade groß genug um sich darin auszustrecken, aufsetzen könnte schon mit Schwierigkeiten verbunden sein. Klaustrophobiker sollten also vielleicht Abstand von dieser Unterkunft nehmen.

Kommen wir nun – der Vollständigkeit halber – zu den Love Hotels. Liebe und Sexualität werden in Japan nicht sehr offen ausgelebt und Beziehungen (in der Regel) nicht öffentlich zur Schau gestellt. Abhilfe schaffen unter anderem Love Hotels, die mit Preisschildern für die Nacht und stundenweise Nutzung werben. Wofür sie gedacht sind, kann sich wohl jeder selbst erschließen. Zu erwähnen ist, dass Anonymität ein besonderes Aushängeschild für diese Hotels ist und sie verhältnismäßig billig sind. Die Ausstattung der Zimmer reicht von „was man eben unter einem Hotelzimmer versteht“ bis hin zu „themenorientiert“, um es mal so zu nennen.

Vorteile:

–          ihr braucht euch um absolut nichts kümmern

–          Lage ist meist sehr zentral bzw. nah am Bahnhof

Nachteile:

–          wird schnell teuer

…und wenn sich jemand für etwas abstraktere japanische Behausungen interessiert, dann möchte ich noch auf einen älteren Spiegelartikel verweisen:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/architektur-innovativer-hausbau-in-japan-a-876170.html

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Kategorie: Allgemein, Katharinas Reiseblog

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Kommentare (0)

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  1. Tom sagt:

    hallo Katharina,

    Ich habe gesehen du hast was über die „Homestays“ geschrieben. hast du da einige Erfahrungen selbst gemacht? oder kennst du ggf jemanden der die Erfahrungen gemacht hat?
    Ich möchte nämlich gerne für ein paar monate nach Japan, um die Sprache weiter zu lernen, und ein Hotel wird bisschen zu teuer 🙂

  2. Stef sagt:

    Huhu Katharina,

    wie sieht es denn, so spaßenshalber, mit Urban Camping aus?
    Ich habe schon mal gelesen, dass sowas in Parks und Gartenanlagen praktiziert wird, aber eben auch nicht ganz legal ist…
    Gerade in und um Tokyo, wo es doch immer mal grüne Anlagen gibt, wäre das ja ganz interessant 😀
    Hast du dazu schon Erfahrungen machen können?

    beste Grüße!

    • Katharina sagt:

      Hallo!
      Jaaa, vom Urban Camping habe ich schon gehört, aber wie du sagst – es ist nicht wirklich legal. Daher habe ich es noch nicht ausprobiert und kenne auch niemanden, der damit Erfahrungen hat. 😉
      Schön wäre es sicherlich, aber ich denke, ich würde eher davon abraten. ^^° Als Ausländer bzw. Gast in einem fremden Land will man sich ja eher keinen Ärger mit der Polizei oder so einhandeln. 🙂

      • Stef sagt:

        Ja, das ist natürlich richtig, das will ja keiner 😉
        Gibt es nicht auch sowas wie Manga-Cafés in denen man theoretisch übernachten könnte?

        Grüße aus dem immernoch winterlichen Jena…

        • Katharina sagt:

          Ja, die Manga-Cafés gibt es eigentlich überall. 🙂 Und soweit ich weiß, kann man da auch ohne Probleme über Nacht bleiben, zumindest liest man das überall. Ich habe es aber noch nicht ausprobiert, daher kann ich auch dazu nichts Genaues sagen. Sorry! Wenn ich mehr erfahren habe, teile ich es hier mit! 🙂

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