„Darum nerven Japaner“ von Christoph Neumann

| 21. April 2012 | 0 Kommentare

Manche von euch werden dieses Buch sicher kennen oder zumindest den Titel schon einmal gehört haben, denn „Darum nerven Japaner“ ist eines der bekanntesten Bücher deutscher Autoren, die in Japan leben. Ich persönlich besitze dieses Buch schon recht lange und habe es vor einiger Zeit zum ersten Mal gelesen. Von gestern auf heute habe ich es zum zweiten Mal verschlungen, diesmal mit einer ganz anderen Meinung zu diesem Buch, das mir vorher so überhaupt nicht gefallen hat.
Bevor ich einige Zeit in Japan verbracht hatte, war meine Einstellung zu diesem Land noch eine vollkommen andere, man könne sogar sagen naivere. Was man hier in Deutschland von Japan mitbekommt sind Anime Serien, Mangas, bunte kleine Figuren, verrückte Cosplayer und eine bunte Welt voller Fantasie und Fröhlichkeit. In meinem Kopf hat sich damals dieser Eindruck vom „perfekten“ Japan gefestigt. Ich las fleißig Mangas und auch immer die so süß und dankbar klingenden Kommentare der Mangaka, schaute Animes und dachte für einen kurzen Moment tatsächlich dies sei die Realität. Christoph Neumann riss mich mit seinem Buch ganz schnell aus einer perfekten Fantasiewelt, in die mich schon so lange herein wünschte. Er beschrieb Japan wie es wirklich war und heute noch ist und das nahm ich ihm übel.
Hinter dem so lustig sarkastisch klingenden Titel versteckt sich harte Kritik an dem von mir so geliebten Inselvölkchen. Der Autor erklärt mit unzähligen Fallbeispielen was einen in Japan als Ausländer alles nerven und in den Wahnsinn treiben kann. Damals noch wollte ich nicht wahrhaben, dass meine kleine Wunderwelt in der Art, wie ich sie mir vorstellte gar nicht existierte. Als ich mit dem Buch fertig war, klappte ich es zu und dachte: „Wenn dir in Japan alles auf die Nerven geht und du Japaner eigentlich blöd findest, dann zieh doch wieder nach Deutschland zurück.“
Ich glaube diese Reaktion zeigen die meisten, die noch nicht längere Zeit in Japan waren und sich alles dort so vorstellen, wie ich es mir damals vorgestellt habe. Allerdings völlig zu Unrecht!
Da ich das Buch schon vor einiger Zeit gelesen habe, konnte ich die Situationen, mit denen ich in Japan zu kämpfen hatte nicht eins zu eins vergleichen, doch als ich es hier zuhause wieder in meinem Schrank entdeckte, fiel mir sofort auf, dass viele Dinge, die Christoph Neumann in seinem Buch beschreibt tatsächlich wahr und mir genauso passiert sind!
Er schreibt von unnötigen Regeln, die das Zusammenleben erleichtern sollen, von einem Verhaltenskodex, der auch gerne mal ignoriert wird und von vielen anderen kleinen Eigenheiten der Japaner, dessen Sinn man als Ausländer in der Tat hinterfragen muss.
Ein ganz typisches Klischee handelt von der englischen Sprache. Wer jetzt denkt, dass die Japaner als wirtschaftlich so erfolgreiches Volk perfekt Englisch sprechen, hat sich leider getäuscht. Auf dem Land und in kleinen Dörfern spricht eigentlich niemand Englisch und auch Japaner in Großstädten tun sich sehr schwer damit. Das Problem ist nicht unbedingt das Vokabular, dafür aber die Aussprache. Spricht man einen Japaner mit einem britischen Akzent an, hat man kaum Chancen verstanden zu werden. Als Amerikaner hat man es da schon leichter. Ein weiteres Problem ist manchmal die Antwort, denn das japanisch ausgesprochene Englisch des Gegenübers ist oft nur sehr schwer verständlich. Kein Problem, wenn man Japanisch kann, sollte man meinen. Aber auch da vertut man sich schnell, denn die Japaner benutzen Ausländer nur zu gern als „Versuchskaninchen“ für ihre Englischkenntnisse und selbst wenn man auf Japanisch antwortet, kommt meist irgendetwas in Englisch zurück.
So ähnlich beschreibt es Christoph Neumann in seinem Buch und ich kann das teilweise nur bestätigen. Trotzdem habe ich ja auch viele Japanische Freunde gewonnen, die anders waren und die vor allem in der Lage waren Englisch zu sprechen.
In dem Buch geht es auch noch um andere Dinge, wie die Schlafeinteilung der Japaner, die nämlich auch die Zeit im Bus oder in der Bahn als Schlafenszeit vorsieht. Auch in Fukuoka konnte ich das oft beobachten, wenn ich mit der U- Bahn oder mit dem Bus gefahren bin. Die Leute setzen sich hin und sind innerhalb von Sekunden eingeschlafen. Bei nur drei Stunden Schlaf in der Nacht aber sicherlich auch kein Wunder. Japaner schlafen wenig, weil sie in der Nacht meist arbeiten oder lernen. Von einer japanischen Freundin habe ich öfter mal gehört, dass sie nachts gar nicht geschlafen hat, weil sie noch irgendetwas zu tun hatte. Wie halten die das aus, frage ich mich. Für mich ist Schlaf definitiv sehr wichtig, um tagsüber überhaupt richtig auf Sendung zu sein. So haben mir meine Schlafstörungen in Japan den Unterricht in der Sprachschule manchmal ganz schön schwer gemacht. Einmal bin ich sogar hingegangen ohne überhaupt geschlafen zu haben und war kaum in der Lage irgendetwas zu sagen.
Mein Schlafpensum hat sich in Japan schon reduziert, das lag aber irgendwie nicht daran, dass ich so übermäßig viel zu tun hatte, dass ich nachts durcharbeiten muss, sondern es geschah irgendwie von ganz alleine. Möglicherweise ist das eine Sache, an die man sich irgendwie gewöhnt oder vielleicht hat mich auch einfach das „Nicht- schlafen“ gepackt. Eine Sache, die aber gar nicht so schlecht ist, weil ich nun auch mit weniger Schlaf durch den Tag komme. Drei Stunden sind mir allerdings immer noch zu wenig!
Weiter zu Christoph Neumann, der nicht nur die unnötigen Schilder, sondern auch das Rechtssystem in Japan verwunderlich findet. Ich persönlich fühlte mich von irgendwelchen Warnschildern in U- Bahnen oder sonst irgendwo weniger belästigt, da ich sie einfach nicht lesen konnte. Über das Rechtssystem habe ich aber auch schon einige Dinge gehört. Dass die Yakuza ( die japanische Mafia) viel mehr zu sagen hat, als sie eigentlich sollte und dass man selbst zum Henker für einen Kommilitonen werden kann, musste ich nicht am eigenen Leib erfahren aber ich finde auch nicht, dass sie unglaubwürdig klingen.
Im Weiteren echauffiert sich der Autor über die verschiedensten Dinge und an manchen Stellen habe ich in der Tat laut auflachen müssen, denn er beschreibt Situationen, die man selbst schon unzählige Male beobachtet hat und bei denen man sich immer wieder fragte, warum sie passierten.
Ich finde „Darum nerven Japaner“ ein unglaublich gelungenes und lustiges Buch, das man vielleicht nur versteht, wenn man Japan mit seiner Kultur und seinen Menschen mal richtig kennen lernen durfte. Für alle anderen: Nehmt es nicht zu ernst, was der Herr Neumann da schreibt. Es soll ja auch ein bisschen komisch sein, außerdem ist ebenfalls in Japan auf Japanisch erschienen und fand großen Anklang bei der japanischen Bevölkerung. Warum auch nicht? Ich wünschte es würde mal jemand ein solches Buch über Deutschland schreiben und uns mal richtig vor die Nase halten, wie wir sind und was wir in den Augen eines Außenstehenden alles Seltsames tun. Ich finde toll, dass die Japaner, genauso wie wir über dieses Buch lachen können und kann es somit nur jedem empfehlen, der Interesse an einem Japan hat, das mehr ist als eine verkleidete Anime – Glitzer – Welt.

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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