Ein Jahr danach

| 12. März 2012 | 0 Kommentare

Ihr habt es sicherlich im Fernsehen mitbekommen. Gestern vor einem Jahr traf der Tsunami auf die japanische Küste, zerstörte Städte und tötete unzählig viele Menschen. Zudem zerstörte er das Atomkraftwerk Fukushima. Es kam zur Kernschmelze und die Menschen mussten die Umgebung um das AKW verlassen. Es war und ist noch immer eine furchtbare Katastrophe, die ganz Japan erschüttert hat.
Oft wird mir die Frage gestellt inwiefern ich die Auswirkungen dieses Unglücks in Japan miterlebt habe und deshalb möchte ich euch ein wenig darüber erzählen.

 


Ich hatte meinen Japanaufenthalt endlich fertig geplant. Ich wusste was ich in Japan machen würde und freute mich riesig nun alles fest zu buchen. Doch genau dann kam der Tsunami und erst mal natürlich auch eine große Unsicherheit. Ich war damals schon mit der Organisation in Kontakt und wir sprachen natürlich auch über mögliche Gefahren, die von dem Atomkraftwerk ausgehen konnten. Da ja zuerst niemand wusste was wirklich passieren würde, musste ich den ganzen Plan nach Japan zu reisen erst einmal auf Eis legen. Im Fernsehen verfolgte ich natürlich wie es weiter ging und all die Bilder von den Menschen, die plötzlich obdachlos geworden waren und ihre Liebsten verloren hatten machten mich furchtbar traurig. Hinzu kam, dass auch mein großer Traum, von dem ich nur noch einen Schritt entfernt war einfach zu platzen drohte. Erst einmal konnte man aber nichts anderes tun, als abwarten.
Ich war mir nun natürlich unsicher, ob ich trotzdem noch nach Japan fahren wollte und schaute mich auch schon nach anderen Möglichkeiten um. New York zum Beispiel, wäre eine Alternative gewesen. Langsam aber entspannte sich die Lage um das Atomkraftwerk. Man wusste allmählich was da los war aber wirklich beruhigend war das nicht. Eine Kernschmelze und atomare Strahlung, die bis nach Tokio reichte.
Nun wollte ich aber ohnehin nach Fukuoka, was ganz im Süden von Japan und somit weit weg von Fukushima lag. Wir überlegten hin und her. Es gab so viele Fragen. Begebe ich mich nun in atomar verseuchtes Gebiet? Setze ich mich der Strahlung aus? Soll ich das wirklich machen?
Ich beschloss, dass ich trotzdem nach Japan gehen wollte. Zum einen, weil es mein Traum war und ich mich eigentlich durch nichts davon abhalten lassen wollte und zum anderen, um Japan meine Unterstützung zu geben. Wenn ein Land, das einen fasziniert in der Krise steckt, sollte man nicht wegbleiben, man sollte gerade dann irgendwie zeigen, dass man auch im fernen Deutschland noch an die Menschen dort denkt. Somit stand es für mich fest, ich wollte nach Fukuoka und ich buchte meine Reise.
Bis zum Reiseantritt im Juli vergingen ja einige Wochen und das Gespräch um die Atomkatastrophe legte sich recht schnell. Als ich nach Japan flog, dachte ich eigentlich gar nicht daran. Generell habe ich in Japan kaum etwas von alledem mitbekommen. In der Sprachschule standen noch Boxen mit der Aufschrift ‚Help for Japan‘, in die man Geld werfen konnte und auch auf den Straßen sah ich Plakate mit der Aufschrift ‚Heart for Japan‘ aber die Menschen ließen sich eigentlich durch nichts mehr beirren. Ich wüsste nicht, dass ich nur mit einem Japaner mal darüber gesprochen hätte. Es war einfach nicht Thema. Das könnte aber auch daran gelegen haben, dass die Harmonie in Japan sehr wichtig ist. Ein Thema, wie dieses würde die Harmonie stören, denn es löst Angst und Unsicherheit aus. Dinge, denen sich in Japan niemand gerne stellt bzw. über die man nicht spricht.
Leider war mein Japanisch auch noch nicht gut genug, um die News zu verfolgen. Daher bekam ich auch nicht mit wie genau das alles der japanischen Bevölkerung zugetragen wurde. Ich weiß nicht, ob gesagt wurde, dass es alles nicht so schlimm ist und ob das stimmt. Genauso gut könnte es sein, dass die Medien genau sagen was los ist und die Japaner einfach ihren gewohnten Alltag weiter gehen.
Irgendwann traf ich auf meinen Gastbruder, der nicht mehr zuhause, sondern in Nagoya wohnte. Er erzählte mir, dass er ursprünglich in Tokio gelebt hatte und nach der Katastrophe von dort geflohen sei. Weiter haben wir nicht darüber gesprochen aber es zeigte mir, dass nicht alle Japaner in Tokio geblieben sind, denn so kam es in den deutschen Medien bei mir an. Es stimmt zwar, dass die Japaner ein sehr ruhiges Volk sind, die nicht direkt in Panik geraten und sich ins Chaos stürzen aber man hätte auch nicht gedacht, dass sie tatsächlich die Flucht ergreifen.
Ebenfalls habe ich von einer Deutschen gehört, die in Tokio lebte und aufgrund der atomaren Gefahr nach Fukuoka gekommen war. Ich muss sagen ich kann das gut verstehen. Wenn man gar nicht weiß was los ist und wie hoch die Strahlung gerade ist, sollte man sich nicht unnötig in Gefahr begeben. Heute würde ich zwar wieder nach Tokio reisen aber noch vor einem Jahr, war ich froh nach Fukuoka zu fliegen.
Man weiß heute nicht wirklich was da los ist, denke ich. Ob man nun verstrahlt wird oder nicht, ist unklar. Sicherlich kann der Körper ein gewisses Maß an Strahlung vertragen aber in der Nähe von Fukushima halte ich es für sehr gefährlich. Ich denke es wird erst in einigen Jahren deutlich werden was für Folgen diese atomare Katastrophe wirklich auf die Menschen hat, die dort leben oder die sich zu der Zeit dort aufhielten.
Ich persönlich habe eigentlich keine Angst, denn ich war fast die ganze Zeit in Fukuoka. Da das Ganze auch nie Thema war, hat man sich eigentlich auch gar nicht die Frage gestellt, ob man sich gerade irgendwie in Gefahr befindet. Außerdem waren außer mir noch recht viele andere Touristen und Sprachschüler in Fukuoka. Ich habe viele Leute aus anderen Ländern getroffen, die dauerhaft dort leben und es schien sich eigentlich niemand irgendwelche Sorgen zu machen.
Ich persönlich kann die Gefahr und ihre Auswirkungen nicht einschätzen aber ich kann sagen, dass ich unglaublich froh darüber bin nach Japan gegangen zu sein! Ich habe so viele Dinge gelernt und meine Sichtweise auf vieles hat sich geändert. Für mich war mein Aufenthalt ein voller Erfolg und hat mich unglaublich weiter gebracht. Es ist tatsächlich, wie man sagt, man erweitert seinen Horizont für so viele Dinge und das ist wirklich das Wertvollste, was ich von dort mitgenommen habe!

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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