Japanische Popkultur

| 15. Mai 2012 | 0 Kommentare

Langsam aber sicher finde auch ich einen Einstieg in dieses Thema, denn hier in Tokyo kommt man, im Gegensatz zu Fukuoka, nicht mehr an der japanischen Popkultur vorbei. Hier fahren sogar LKWs umher, die die neusten Songs der japanischen Idole schmettern, sodass man nicht anders kann, als sich das wenigstens für 30 Sekunden anzuhören. Was mich allerdings zu diesem Post veranlasst hat ist das Shibuya Girl festival, an dem ich ja teilnehmen durfte. Zwar habe ich mich über all die Sachen und die Leute, die dort waren, nicht so freuen können, wie die japanischen Mädchen, die dort waren, trotzdem fand ich es mal sehr interessant mich in die Welt des japanischen Pops entführen zu lassen.

Vorab muss ich noch einmal kurz erwähnen, was vielleicht sowieso schon deutlich geworden ist: Ich stehe überhaupt nicht auf dieses ganze kawaii-Gedöns und auf Pop Musik auch nicht. Die Lieblingsmodelabels der Japanerinnen finde ich meist etwas zu kitschig, zu rosa, zu viele Rüschen. Früher fand ich das gut. Vielleicht hat mein sieben Monatiger Aufenthalt in Fukuoka mich davon kuriert, weil es hier einfach zu viel davon gibt. In Düsseldorf habe ich mir mal eine Rilakkuma Butterbrotsdose gekauft, weil ich die deutschen Dosen so öde fand. Habe die im Endeffekt nur ins Regal gestellt und nie benutzt. Die Masse an „kawaii stuff“ hier macht mir irgendwie bewusst, wie unnötig dieses Zeug ist. Das ist ja alles süß, aber das braucht man doch nicht! Ich schaue mir das hier in den Läden alles gerne an aber kaufen tue ich dann lieber etwas traditionell Japanisches. So und das meine ich mit dem nicht vorhandenen Zugang zur japanischen Popkultur, denn „kawaii“ gehört da definitiv dazu.
Idole


Was zählt jetzt eigentlich zu japanischer Popkultur, bzw. was macht diese aus? Soweit ich es bisher beobachten konnte geht es hier vor allem um Idole. Das können Musiker, Schauspieler oder auch Models sein. Meistens sind sie alles in einem und Werbeikonen obendrein! „Kawaii“ gehört für mich aber auch als fester Bestandteil zur japanischen Popkultur dazu! Man ist also Fan einer Serie, einer Band oder gleich einer ganz bestimmten Person. Als Fan, und jetzt kommen wir zum „kawaii“, kauft man also auch Fanartikel. Klingt eigentlich ganz normal. Was Japan hier aber wieder besonders macht, ist die Vielfalt an Fanartikeln und die Art des Verkaufs. Nehmen wir die populäre Band AKB48 zum Beispiel. AKB sind hier in Japan nicht nur die populärste Band, sondern bekamen auch einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, als „größte Popgruppe der Welt“. Es handelt sich hier in der Tat um mittlerweile 58 Mitglieder in dieser Band, die in vier Teams aufgeteilt ist. Die Idee ist gar nicht mal schlecht, so kann „AKB48“ nämlich an ganz vielen Orten gleichzeitig auftreten. Um auf die Fanartikel zurück zu kommen, gleich am Anfang der berühmten Einkaufsstraße, der „Takeshita Dori“ befindet sich ein ganzer AKB- Shop! Wenn man da hinein möchte, muss man ein Ticket ziehen. Darauf steht eine Zeit, zu der man dann in den Laden darf, da der Ansturm sonst viel zu groß wäre. Das muss man sich erst einmal vorstellen! Hanna Montana Artikel konnte man damals in jedem Supermarkt kaufen, für AKB gibt es einen extra Laden (und in Tokyo gibt es nicht nur einen davon), in den man nicht einmal ohne weiteres hinein darf.
Das bedeutet aber nicht, dass es in einem Supermarkt nichts von AKB gibt. Man findet Kaugummis, Bonbons, ach, eigentlich alles mit einem süßen Bild der Mitglieder darauf gedruckt.
Eine weitere Sache, die einmalig in Japan ist, sind die Otaku – Läden. Wenn man ganz doller Fan von jemandem ist, wird man als Otaku bezeichnet. In diesen Läden findet man Fotos seiner Stars, die man kaufen kann. In allen möglichen Größen gibt es hier verschiedene Abbildungen deines Idols, die du dir dann ins Zimmer hängen kannst. Es gibt nicht nur einfache Bilder und Poster, sondern auch Fächer und Spiegel. Da würde das kaufen wenigstens Sinn machen, bei den Bildern frage ich mich ehrlich gesagt, warum man nicht einfach eins ausdruckt. Möglicherweise hat das etwas mit dem Fan-Sein zu tun.
Besonders schön finde ich auch die Purikura (Fotoboxen, funktionieren wie Passbildautomaten, nur dass man die Bilder später noch verzieren kann), mit denen man sich selbst in ein Foto seiner Stars hinein montieren kann. Das sieht dann später so aus, als stünde man dort zusammen mit seiner Lieblingsband.
Musik
Besonders beliebt hier in Japan ist definitiv Popmusik. Neben den bekannten „Künstlern“ aus Amerika, wie Hanna Montana oder Justin Bieber, die hier in Japan auch sehr gemocht werden, sind es vor allem japanische Popbands, wie AKB oder –der neueste Boom- koreanische Popbands!
Während die japanischen Popsängerinnen mit ihrer Unschuld spielen, über Liebe singen und sich dabei in Dessous auf einem Küchentisch rekeln, sind die Sängerinnen aus Korea ganz bewusst sexy. Enge Kostüme, die trotzdem modisch sind, lange Haare und Tänze in extra kurzen Hosen sind in den Videos der Koreanerinnen zu sehen. Ganz anders, als die „unschuldigen“ japanischen Sängerinnen, in deren Videos man meist einmal kurz den Rock hochfliegen sieht. Ganz aus Versehen, natürlich. Aber die Bands aus Korea kommen auch hier in Japan (und mittlerweile auch in Deutschland) super an!
K-Pop 가요
Dabei scheint das Konzept recht einfach: Man nehme eine Handvoll Mädchen, perfektioniere sie durch Operationen (in Korea leider bittere Wahrheit), stelle sie auf eine Bühne und lasse sie singen und tanzen. Daraus ergibt sich, dass die Mädchen genauso sein wollen, wie ihre Idole und dass die Jungs auf die Mädchen aus der Band stehen.
Für Palina aus Leipzig steckt jedoch viel mehr dahinter. Sie war früher J-Pop Fan, heute ist K-Pop ihre große Leidenschaft. Über die japanischen Bands ist sie auch die Bands in Korea gestoßen und war gleich begeistert. „Es bietet eine Ablenkung zum Alltag und versetzt dich in sofort in gute Laune. Außerdem liebe ich die freundliche Atmosphäre zwischen den Fans untereinander, die sich die neusten Videos & Fotos zuschicken!“. Palina gefällt auch der Aufwand, den die Bands selber betreiben, um bei ihren Fans anzukommen. Es sind die Kostüme und Choreographien, die sie so begeistern. Besonders gefallen ihr die Videos ihrer Lieblingsbands BLOG B, BIG BANG und 2NE1. Viele Jugendliche aus der ganzen Welt suchen sich die Musik ganz bewusst aus, weil sie irgendwie anders ist, als ihr amerikanischer Vorreiter.
Hier geht es schon um viel mehr, als die Musik der Künstler. Auch die Styles und Frisuren der Idole werden angehimmelt und in Magazinen sind immer die neuesten Trends der K-Pop Stars zu finden. Es ist ein riesen Markt, den man hier vorfindet. Ich persönlich finde das sehr spannend und werde mich weiterhin informieren, um mehr über die Magie dieses Musikgenres zu erfahren. Zu dem Thema wird es definitiv noch mehr geben!
Etwas, das mich sehr amüsiert hat, war die koreanische Version des Monroes – Hits „Hot summer“! Das müsst ihr euch ansehen, ihr findet es z.B. auf youtube.

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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  1. Caro sagt:

    Wieder ein sehr interessanter Eintrag!
    Neben den ganzen AKB-Gruppen sind ja auch die Jungs der Johnny’s Agentur, wie z.B. die fünf Jungs von Arashi, überall präsent, egal ob Fernsehserien, Radio oder Werbung.
    Würde gerne mehr über das Thema lesen, JPop interessiert mich sehr. Weiter so 🙂

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