Nagasaki 長崎市

| 24. Februar 2012 | 0 Kommentare

Vor einiger Zeit habe ich mit meiner Gastmutter einen Ausflug nach Nagasaki gemacht. Wir waren zwar nur einen Tag dort, aber es war wunderbar! Kurz nachdem die Atombombe im zweiten Weltkrieg auf Hiroshima gefallen ist, landete eine weitere auf Nagasaki. Es war unglaublich in einer Stadt zu sein, in der eine solche Katastrophe geschehen ist. Heute ist die Stadt wirklich schön, es gibt viel zu sehen, natürlich neben vielen anderen Dingen auch das Atombomben Museum, wie es auch eines in Hiroshima gibt. Nagasaki ist eine tolle Stadt, über die ich euch gerne mehr erzählen möchte.


Ein bisschen zur Geschichte
Der erste Kontakt zwischen Japanern und Europäern hat wohl in Nagasaki stattgefunden, als ein portugiesisches Handelsschiff versehentlich dort Halt machte. Dies war Mitte des 15. Jahrhunderts und einige Jahre darauf wurde Nagasaki zu einem wichtigen Anlaufhafen für die Portugiesen, die Güter aus ihrem Land dorthin brachten und auch erste Kirchen bauten.
Allerdings waren die Missionare dem Regionalfürsten ein Dorn im Auge, da sie nicht bereit waren mit anderen Religionen zusammen zu leben und somit verloren die Jesuiten, die zuvor die Verwaltung der Stadt leiteten ihr Stellung. Auch begannen erste Akte einer Christenverfolgung, von der die portugiesischen Handelsleute allerdings verschont blieben, da sie wichtig für die Wirtschaft waren. 1614 wurde das Christentum in Japan verboten und Christen wurden verfolgt und ermordet. Auch die portugiesischen Kaufleute wurden nun aus Nagasaki vertrieben.
Gut für Niederländer, die eigentlich in Hirado angesiedelt waren und in Konkurrenz zu den Portugiesen standen, denn diese blieben von der Ausweisung verschont und besiedelten von nun an Nagasaki, was man auch heute noch sehen kann.
Somit wurde die Stadt zum internationalen Brennpunkt und Forscher, sowie Studenten kamen aus ganz Japan, um dort etwas über Wirtschaft, Technologie und die holländische Kultur zu lernen.
1865 wurde Nagasaki wieder geöffnet und auch Christen durften ihre Religion wieder frei ausleben. Es wurde sogar eine neue Kirche gebaut.
Die Stadt wurde zum Wirtschaftszentrum, bis heute werden dort Schiffe gebaut. Allerdings wurde dies der Stadt 1945 zum Verhängnis.
Der Atombombenangriff
Eigentlich war Nagasaki gar nicht als Ziel eines Atombombenangriffs vorgesehen. Jedoch wurde es als Ersatz für Kyoto auf die Liste gesetzt. Dort wurden außerdem die Torpedos gebaut, mit denen die Japaner Pearl Harbour angegriffen hatten.
Da die Sicht auf die Stadt sehr schlecht war, verfehlte die Atombombe „Fat Man“ ihr Ziel, den Mitsubishi Konzern um zwei Kilometer und landete auf einem Wohngebiet. Im Umkreis von zwei Kilometern um die Explosionsstelle lebten ca. 30 Prozent der Stadtbevölkerung. Die Atombombe zerstörte ca. 80 Prozent der Häuser im Umkreis von einem Kilometer. Die Zahl der Verletzten betrug ca. 75.000, 22.000 Menschen starben sofort und weitere in den folgenden Jahren.
Folge dieses Angriffes war die Kapitulation Japans und somit das Ende des zweiten Weltkrieges. Die Opfer der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki erhielten somit auch ausländische Hilfe.
Seit 1955 erinnern das Atombombenmuseum und der Friedenspark als Gedenkstätten in Nagasaki an die Katastrophe. Die Universität Nagasaki beschäftigt sich außerdem mit den medizinischen Folgen von radioaktiver Strahlung.
Das Atombombenmuseum und meine Eindrücke
Wenn man sich mit dieser furchtbaren Katastrophe beschäftigt, ist das alles erst einmal sehr überwältigend. Man kann sich kaum vorstellen, was dort mit den Menschen passiert ist, nachdem die Bombe abgeworfen wurde.
Ich hatte im Jahre 2010 schon das Atombombenmuseum in Hiroshima gesehen und es hat mich wahnsinnig berührt. Dort wird alles aufgezeigt, von der Geschichte, dem Grund des Abwurfes, einem genauen Zeitplan der US Regierung, bis hin zu Bildern und Gegenständen, die versuchen die Situation nach der Explosion deutlich zu machen. Was man dort sieht, vor allem an Bildern ist wirklich kaum zu glauben. Die Auswirkungen einer solchen Bombe sind fast unvorstellbar. Selbst wenn man einen Haufen aus geschmolzenen Glasflaschen vor sich hat, kann man kaum fassen was dort passiert ist.
In der Schule hatten wir mal einen alten Japaner für eine Vorlesung in der Aula zu Besuch. Er stammte aus Nagasaki und hatte den Angriff überlebt. Es war wirklich unglaublich dort auf der Bühne einen Mann vor sich zu haben, der live erzählte, wie er den Angriff empfunden hatte und was genau dann mit ihm passiert ist.
Seine Geschichte hat mich sehr berührt und für mich war es fast wie ein Wunder, dass dieser Mann dort stand. Ebenso ist es unglaublich, wenn man Nagasaki oder Hiroshima besucht und außer einem Museum und ein paar Gebäuden nichts mehr an die Katastrophe erinnert. Beides sind moderne Städte, in denen Menschen ganz normal ihren Alltag leben.
Sehenswürdigkeiten
Neben dem Atombombenmuseum, das wirklich sehr interessant ist, gibt es auch noch sehr viele andere Sehenswürdigkeiten in Nagasaki, die man sich nicht entgehen lassen sollte!
Zum Beispiel den Glover Garden, ein wirklich hübscher Garten mit Häusern aus der Kolonialzeit, in denen auch noch Möbel und andere Gegenstände aus der Zeit von damals zu sehen sind. Im Frühling und Sommer wachsen dort außerdem verschiedene Blumenarten und man kann es sich im Biergarten oder in dem nostalgischen Tea House gemütlich machen. Besonders interessant ist dort auch das Haus zu der Oper „Madame Butterfly“.


Der Glover Garden hat mir wirklich ausgenommen gut gefallen! Es war wie ein kleines Disneyland auf einem Berg und man hatte eine wundervolle Aussicht auf die Stadt und die Bucht mit ihren Werften. Es war toll durch die historischen Häuser zu laufen, in denen die Dielen knarrten und man fühlte sich auf einmal, wie in einer anderen Welt. Man kann sich dort auch für 5 Euro in die tollen Kleider aus der Kolonialzeit werfen und sich fotografieren lassen – allerdings nur bis 15 Uhr, glaube ich. Das hatten wir leider verpasst.
Direkt neben dem Glover Garden befindet sich eine kleine Kirche. Sie war schon älter und in der Tat echt, denn dort drin befand sich auch ein Altar und Bänke. Besonders beeindruckt hat mich der Blick aus dem Kirchenfenster. Denn schaute man aus dem bunten Fenster, sah man einen japanischen Friedhof.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Urakami-Kathedrale, die bei dem Atombombenangriff zerstört wurde. Ihre Überreste befinden sich im Atombombenmuseum (es sind wirklich große Stücke und auch noch Steinfiguren übrig geblieben, es lohnt sich total das anzuschauen!) und an ihrer Stelle wurde eine neue Kathedrale erbaut.
Ebenfalls interessant ist die Brillenbrücke (眼鏡橋, megane-bashi), die 1634 von einem Chinesischen Mönch erbaut wurde. Die Brücke und ihre Spiegelung auf dem Wasser sehen aus, wie eine Brille, daher kommt der Name.
Da auch viele chinesische Händler in Nagasaki lebten, da die der einzige Hafen war, an den sie anlaufen durften, ist in Nagasaki auch Chinatown zu finden, das einmal im Jahr zum Schau Ort des chinesischen Laternenfestivals wird.
Genau zu Anlass dessen waren wir nämlich dorthin gekommen und es war wirklich atemberaubend! Um den ganzen Fluss herum waren bunte Laternen und Laternenfiguren aufgestellt – auch auf dem Fluss gab es leuchtende Figuren zu sehen! Es war wirklich wunderschön. Außerdem wurden wir auch noch Zeuge eines kleinen Umzugs mit chinesischen Drachenfiguren – etwas, das ich schon immer mal sehen wollte!


Zudem haben wir eine ganz tolle Gondelfahrt auf einen der Hügel gemacht, von denen Nagasaki umringt ist. Das war wirklich toll! Innerhalb von 5 Minuten ist man für 10 Euro oben und kann bei der Fahrt eine wundervolle Aussicht genießen. Auf dem Hügel angekommen gibt es einen Aussichtsturm, in dem sich auch ein Restaurant befindet. Mit Blick auf die komplette Stadt (besonders schön bei Nacht)kann man Nagasaki Spezialitäten kosten. Wir zum Beispiel bestellten ein Schnitzel auf Reis mit Spaghetti. Diese typische Nagasaki Speise wurde uns von unserem Taxifahrer empfohlen und so kurios es auch klingt, es war sehr lecker!
Was sich meiner Meinung nach auch noch lohnt ist das Bilderbuchmuseum. Ein kleines, hübsches Gebäude, in dem man Bilderbücher und andere Bücher für Kinder kaufen kann und in dem Bilder von berühmten Kinderbüchern ausgestellt werden. Ich habe dort wirklich süße Sachen gefunden, unter anderem ein Winnie The Pooh Afternoon Tea Book und zahlreiche Postkarten.


Und wer genug Zeit hat, kann auch noch das Art museum besuchen. Leider haben wir das nicht mehr geschafft, denn wir waren ja nur einen Tag dort. Einen Schnappschuss konnte ich dennoch ergattern.


Natürlich gibt es in Nagasaki auch noch mehr interessante Dinge zu sehen, ich wollte euch aber hauptsächlich von den Sachen berichten, die ich auch selber gesehen habe.
Alles in allem kann ich nur sagen, dass dieser Ausflug wunderschön war und ich an einem Tag unglaublich viel gesehen habe, das mich wahnsinnig beeindruckt hat. Die Stadt Nagasaki ist wirklich toll und interessant und ich kann nur jedem empfehlen dort mal hinzufahren, es lohnt sich wirklich!
Ich persönlich würde auch gerne noch einmal dorthin, gerne auch für längere Zeit. Ich stelle mir die Stadt auch für work and travel sehr interessant vor, das könnte also etwas für euch sein, falls ihr noch ein Ziel frei habt!

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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