Schreine – how to?

| 18. April 2013 | 0 Kommentare

Damit ihr euch von den ganzen Zahlen gestern erholen könnt, dachte ich mir, poste ich doch mal ein bisschen über etwas ganz Japantypisches. Wie verhält man sich eigentlich an den unzähligen Schreinen? Sie sind überall im Land zu finden: einige klein und einigermaßen versteckt, andere ziehen Japaner und Touristen gleichermaßen in Scharen an.

In der Regel wollt ihr euch als Touristen die Tempel und Schreine ja einfach nur angucken, das ein oder andere Foto machen, noch ein bisschen staunen und gut ist. Wer gerne japanisch-korrekt beten möchte – oder sich einfach nur dafür interessiert, was er machen müsste, wenn es die Situation einmal erfordert -, dem sei die folgende Kurzanleitung ans Herz gelegt. 🙂

1)      Wascht Hände und Mund (nach Belieben auch das ganze Gesicht), damit ihr den Göttern rein gegenübertretet.

(Dazu finden sich vor jedem Schrein – noch unten vor der Treppe – zumeist überdachte Brunnen, die mal größer, mal kleiner ausfallen.)

2)      Geht hoch zum Eingang.

Achtung: Die Treppen werden NICHT in der Mitte erklommen! Dieser Platz ist den wandelnden Gottheiten vorbehalten – die müssen schließlich auch mal raus. Ihr geht selbstverständlich links oder rechts am Rand. Ebensowenig tritt man unmittelbar auf Türschwellen.

3)      Oben angekommen, findet ihr ein dickes „Seil“, das von irgendwo oben herabhängt – wenn ihr es bewegt, betätigt ihr eine Klingel. Also Attacke.

4)      Jetzt verbeugt ihr euch zweimal.

5)      Klatscht zweimal in die Hände.

6)      Betet…

7)      Verbeugt euch noch einmal.

Soweit alles klar? Prima.

Dann habe ich noch etwas für euch:

Solche Feuerstellen gibt es auch bei jedem Tempel. Wenn ihr sie nicht auf Anhieb findet, lautet die allgemeingültige Wegbeschreibung: Immer der Nase nach! Da werden nämlich viele Räucherstäbchen verbrannt und diesen Duft nimmt man schon recht früh wahr.

Und wozu das Ganze? Marshmallows gezückt und losgelegt!

Wer nicht ganz so frevlerisch veranlagt ist, versucht es lieber mit Folgendem:

Stellt euch vor das Feuerchen und wedelt euch den Rauch zu all den Körperstellen, mit denen ihr gerade Probleme habt – zum Beispiel Richtung Rücken, wenn ihr dort gerade Schmerzen haben solltet. Der Rauch macht euch dann wieder heile. (Japp, eure Krankenversicherung ist leider überflüssig!)

Einer geht noch…was haben wir denn hier?

An vielen Tempeln gibt es, hm, ich nenne es einmal hübsch verzierte „Dosen“. Diese werden, wenn ihr sie findet, nach Leibeskräften geschüttelt und dann könnt ihr in der Regel eine Zahl herausziehen. Zu dieser wiederum passen Nummern, mit denen kleine Schubladen beschriftet sind, die sich dicht bei den „Dosen“ befinden. Öffnet ihr eure passende Schublade, stoßt ihr auf einen Stapel Papier. Eines dürft ihr euch herausnehmen. Wenn ihr Glück habt, haltet ihr nun ein japanisch-englisch-bilinguales Schriftstück in den Händen – wenn nicht, seid ihr hoffentlich fließende Kanjileser. So oder so steht auf diesem Papier eine „ganz persönliche“ Prophezeiung für eure Zukunft. Wenn euch etwas Schönes vorausgesagt wird, freut euch und haltet das Blatt in Ehren. Wenn ihr mit dem Geweissagten unzufrieden seid, faltet ihr den Zettel einfach zusammen und knotet ihn zu den vielen anderen Pech-Prophezeiungen an solche Stände, wie ihr sie eben auf dem letzten Bild seht. (Selbstverständlich habt ihr die Warnung verstanden und seid von nun an ein besserer Mensch.)

Amen.

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Kategorie: Allgemein, Katharinas Reiseblog

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Kommentare (0)

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  1. Laura sagt:

    Top Artikel, hab mich am Brot vor Lachen verschluckt wegen der KRankenversicherung und besserer Mensch sein. 😀

  2. Rina sagt:

    Oh ich hab jedes mal in Asakusa einen Zettel gezogen und immer „großes Glück“ gehabt.
    Die Zettel trag ich seit dem immer bei mir und der älteste hat jetzt schon 6 Jahre auf dem Buckel : )

  3. Rina sagt:

    Wiedermal ein schöner Beitrag ^^

    Aber wo sind die Ema (die Holztäfelchen)? Die sollten doch eigentlich bei einem Post über Schreine&Tempel nicht fehlen 😉

    • Katharina sagt:

      …davon hatte ich leider keine Fotos und habe sie dezent unterschlagen. 😀 Aber du hast natürlich recht.
      Also hier als Nachtrag:
      Die Ema genannten Holztäfelchen sollten ebenfalls an jedem Schrein zu finden sein. Sie haben eine bemalte Seite, auf der man schriftlich festhalten kann, um was man die Götter bitten möchte. Auf der freien Seite kann man (alle möglichen) Wünsche notieren, zum Beispiel eine Beförderung im Job, wenn einen das gerade beschäftigt. Die freie Seite ist also mehr den „weltlichen“ Wünschen zugeordnet, während die bemalte Seite auch für „spirituellere“ Wünsche gedacht ist.
      Die Holztäfelchen werden dann an einem dafür vorgesehen Platz am Schrein aufgehängt – oft ist das in der Nähe der Stellen, an denen man die schlechten Prophezeiungen festbindet. (Den Zusammenhang, so es denn einen gibt, kann ich leider nicht erklären. ^^)

  4. Nipponfreak sagt:

    こんにちは

    Sehr interessant, ich finde deine Beiträge immer sehr informativ.
    ich würde das auch so gerne mal mit eigen Augen erleben…ich liebe Japan aber es ist so schwierig dort hin zu kommen das frustriert einen schon manchmal. T_T

    Gruß:Nipponfreak ^-^

    • Katharina sagt:

      Hey, danke für dein Feedback!
      Es ist schon nicht ganz einfach, das ist sicher wahr. Aber ich wünsche dir, dass du es irgendwann auch nach Japan schaffst! Das Land ist einfach sooo spannend und wird dir sicher gefallen. 🙂

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