Als Vegetarier in Japan

| 31. Januar 2012 | 5 Kommentare

Nach dem Yakiniku-Post haben sich die Leute, die mich kennen wahrscheinlich etwas gewundert, da man mich in Deutschland als Vegetarierin kennt. Hier also meine Geschichte als Vegetarierin in Japan.


Als ich nach Japan kam, hatte ich seit ca. 3 Jahren kein Fleisch und keinen Fisch mehr gegessen. Ich war überzeugte Vegetarierin und hatte nie an meiner Entscheidung gezweifelt. Der Grund dafür, dass ich Vegetarierin war ist ganz einfach der, dass mir die Art und Weise wie Tiere behandelt werden, bevor sie für den Verzehr ihres Fleisches sterben müssen ganz und gar nicht gefällt. Tiere sind wehrlose und gutmütige Wesen und werden von uns Menschen gequält und ausgenutzt. Mir wird ganz anders, wenn ich daran denke, dass Menschen Schweine und Kühe in irgendwelche Transporter prügeln, sie dort eingepfercht zu irgendwelchen Schlachthöfen bringen, um sie dort umzubringen. Es ist meiner Meinung nach einfach unfair solch guten Geschöpfen so ein Leid zuzufügen. Für mich persönlich haben die Gedanken an diese Tierquälerei einfach einen Ekel gegenüber Fleisch ausgelöst. Ich wollte es einfach nicht mehr essen. Ich bin kein Weltverbesserer und ich habe nie jemanden verurteilt, der Fleisch ist. Ich wollte es nur einfach selber nicht mehr. Zugegeben, Fleisch schmeckt gut. Man kann es toll zubereiten und es ist ein schönes Essen zu Festtagen zum Beispiel. Trotzdem wollte ich einfach darauf verzichten.
Nun kam ich hier nach Japan und habe meiner Gastmutter natürlich gesagt, dass ich kein Fleisch esse. Es war für sie absolut kein Problem und so habe ich immer etwas ohne Fleisch bekommen. Ein riesen Fischfan war ich noch nie, daher viel mir der Verzicht darauf nicht sehr schwer. Trotzdem könnt ihr euch sicherlich vorstellen, dass es hier in Japan recht schwierig ist als Vegetarier zurecht zu kommen. Erst einmal kann man nicht lesen was auf der Verpackung steht, somit weiß man auch nicht was zum Beispiel in einem Onigiri drin ist. Onigiri (Reisbällchen) fällt also schon mal weg von der Liste an Essen. Sushi ohne Fisch zu bekommen ist ebenfalls sehr schwierig, denn die Japaner lieben Fisch.
Es lief dann also so, dass ich mit Freunden essen gegangen bin und wir immer große Mühe hatten ein Restaurant zu finden, in dem ich auch etwas Vernünftiges bestellen konnte. Meistens blieb für mich ein Beilagensalat oder eine Misosuppe. Es war mir furchtbar unangenehm den anderen und auch meiner Gastmutter immer solch eine Mühe zu bereiten. Dann war es natürlich auch nicht schön nichts zu essen, während die anderen Curry, Nudeln oder sonstige Köstlichkeiten verspeisen. Der Hauptgrund, aus dem ich mich entschieden habe wieder Fleisch zu essen war allerdings der, dass es so vieles an Essen hier gibt, das ich noch nie gesehen hatte und das ich einfach mal probieren wollte. Ich wollte nicht der Ausländer sein, der sich vor allem verschließt und zu allem ‚Nein‘ sagt. Solange ich als Vegetarier niemandem Probleme bereitet habe, fühlte ich mich damit sehr wohl. Hier gab es aber ständig welche, immer musste besonders auf mich geachtet werden und das gefiel mir überhaupt nicht. Ich bin nicht gerne ein komplizierter Mensch.
Außerdem blieb meinen japanischen Freunden und meiner Gastmutter kaum etwas an japanischem Essen, das sie mir zeigen konnten und das fand ich sehr schade. Wenn man in ein so fremdes Land kommt, sollte man offen sein für die Menschen und für die gesamte Kultur. Ich habe hier wieder begonnen Fleisch zu essen, weil ich einfach offen sein wollte für das Essen hier und eben auch für die Kultur und Lebensweise, denn für einen Japaner gehört Fleisch einfach zum Leben dazu. Es gibt nicht viele Vegetarier hier.
Manche von euch denken jetzt sicherlich, dass ich meine Prinzipien verraten habe aber das sehe ich nicht so. Ich habe lediglich Prioritäten gesetzt, denn offen für Kultur zu sein gehört genauso zu meinen Prinzipien, wie der Verzicht auf Fleisch.
Wie ich das mit meinem Gewissen vereinbare? Ich ignoriere das Schlechte, wir wissen doch alle, Ignorance is bliss. Das klingt jetzt ignorant, ist es auch, hier geht es mir damit aber besser.
Ich esse hier nicht häufig Fleisch, eigentlich nur mit anderen zusammen und wenn meine Gastmutter es für mich kocht. Selber kaufen tue ich es nicht. Auf die Idee käme ich gar nicht, das steckt wohl noch zu sehr drin. Auch beim Yakiniku esse ich nicht immer Fleisch mit, sondern bestelle oft Salat und begebe mich recht schnell an die Dessertbar.
Es ist nicht so, dass ich jetzt jahrelang auf Fleisch verzichtet habe und dies als Möglichkeit sah, um es endlich wieder essen zu dürfen. An meiner Einstellung hat sich nichts geändert aber ich war bereit über meine Prinzipien hinweg zu sehen, um es den Menschen in meiner Umgebung und auch mir etwas leichter zu machen.
Das heißt keinesfalls, dass man hier als Vegetarier nicht überleben kann. Meine Kollegin, eine andere Praktikantin bei Quantize isst auch kein Fleisch und zieht das auch hier in Japan durch. Zum Beispiel konnte sie die Krabbenchips nicht essen, die wir einmal hatten und auch sonst verzichtet sie ganz strikt darauf. Ich finde das bewundernswert aber für mich war es wichtiger unkompliziert zu sein und das Essen zu können, was ich möchte, denn Essen gehört für mich zu der Kultur eines Landes dazu.
Ich werde Zuri dazu mal genauer befragen und dann gibt es einen zweiten Teil für alle, die nach Japan kommen und Vegetarier bleiben wollen!

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Kategorie: Allgemein, Julies Reiseblog

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Kommentare (5)

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  1. Xuan sagt:

    Hallo!
    Ich war eigentlich auf der Suche nach Tipps und Tricks als Vegetarierin in Japan rumzukommen.
    Und bin ehrlich überrascht über deine Haltung. Meine Freunde haben mich auch schon ständig gefragt: „Willst nur nicht für diese kurze Zeit aufhören?“

    Und die Verlockung ist groß. Mein Lebenstraum war es schließlich schon immer wie in den Animes diese Köstlichkeiten zu probieren.
    Doch wie vereinbare ich das mit meinen Prinzipien und natürlich (wenn auch nicht so wichtig) kam der Gedanke wie stehe ich da? Schmeißt einfach ihre Prinzipien über Bord.

    Andererseits hatte ich auch oft ein schlechtes Gewissen (im voraus sozusagen), weil meine Freundin keine Vegetarierin ist und somit gezwungen wäre mit mir auf Suche zu gehen etc.

    Ich bin noch am überlegen aber im Moment bildet sich die Idee hauptsächlich Vegetarierin zu bleiben und nur für die Nationalspezialitäten eine Ausnahme zu machen.

    Vielen Dank für deinen aufschlussreichen Bericht! 😀

  2. Liz sagt:

    Ich bin als Vegetarierin wirklich genervt, wenn Leute sagen dass sie es ‚cool‘ finden, dass du wieder angefangen hast Fleisch zu essen.
    Ich finde man sollte so leben, dass man sich wohl fuehlt. Wenn du dich nicht wohl fuehlst (und unter den gegebenen Umstaenden versteh ich das) solltest du auch nicht krampfhaft daran festhalten. Ebenso versteh ich dein Denken, dass man neue Sachen gerne probieren wuerde. Also: go for it, babe! Aber bitte bleib vegetarisch wenn du wieder herkommst. 🙂

  3. ina sagt:

    ich finde das ziemlich cool von dir dass du wieder anfängst..ich esse zwar selbst nur hähnchenfleisch (alles andere schmeckt mir einfach nicht) aber ich denke man hat nicht oft die möglichkeit so eine neue kultur kennezulernen und das sollte man mit allen sinnen und allem was dazugehört.-
    zurück in deutschland kannst du dann ja wieder deinen prinzipien nachgehen ;D

    liebste grüße
    ina

  4. straehnchenliesel sagt:

    Ich finde das stark von dir! Wenn man eine Position bewusst vertritt, ist es nicht leicht sie zu „brechen“. Da gehört schon was zu. Ich finde es auch schrecklich, wie die Tiere behandelt werden. Ich verzichte aus diesem Grund auch größtenteils auf Fleisch, allerdings esse ich selten auch mal etwas, halt wenn man mit anderen in ein bestimmtes Restaurant geht wo man praktisch gar nicht darum herum kommt.
    Hast du mal „Tiere essen“ gelesen? Wenn man sich für das Thema interessiert, ist es wirklich sehr interessant.
    Lieber Gruß, straehnchenliesel <3

  5. Tanja sagt:

    Hey 🙂
    Ich bin zwar kein Vergetarier, esse aber jetzt auch nicht soo oft Fleisch. Meistens kann ich mich jedenfalls nicht für ein Stück Rumpsteak oder einen Hähnchenschenkel begeistern.
    Jedoch finde ich auch, dass es einfach viel zu viele tolle Sachen gibt, die man kennenlernen kann, wenn man sich dem nicht ganz verschließt. Als ich in Japan war, habe ich auch alles probiert, was auf den Tisch gestellt wurde.
    Auf jeden Fall hast du meinen Respekt, dass du versucht hast, Vegetarier zu bleiben. Es ändert sich ja auch nicht an deiner Ansicht, dass diese Massentierhaltung und die Art der Schlachtung zu verurteilen ist – wobei du natürlich meine absolute Zustimmung erhälst.

    Liebe Grüße

    Tanja

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